Augmented Reality: erweitere deine Realität

Augmented Reality wird möglicherweise schon bald auf und in jeder Zeitschrift erscheinen.

Augmented Reality wird möglicherweise schon bald auf und in jeder Zeitschrift erscheinen. (Screenshot: „Aeonsparx Interactive – BMW Z4 Augmented Reality for magazine cover“ von Foong Ching Kong)

Augmented Reality, kurz: AR, ist die „erweiterte Realität“. Was das genau heißen soll und was das für deinen Alltag bedeutet, erfährst du bei uns.

Augmented Reality: die Möglichkeit Realitätswahrnehmungen zu erweitern

Unter Augmented Reality versteht man die Erweiterung der Realität mithilfe computergestützter Mittel. Ein häufig verwendetes Beispiel zum Verstehen ist eine Fußball-Übertragung: du schaust ein Spiel und AR liefert dir beispielsweise Abseitslinien oder die Entfernung zum Tor beim Freistoß direkt ins Display. Oftmals spricht man bei erweiterter Realität von der visuellen Darstellung, allerdings kann AR deutlich mehr als das bloße Einblenden digitaler Informationen. Augmented Reality ist in der Lage, viele weitere menschliche Sinne anzusprechen.

Dafür bedarf es jedoch einiger Werkzeuge: zunächst muss eine Kamera die erweiterten Realitäten aufzeichnen. Dann braucht es natürlich auch einen Prozessor, der Eingabe und Ausgabe berechnen kann. Zur Orientierung braucht es Sensoren, beispielsweise einen Beschleunigungsmesser oder ein Gyroskop. Um Logik und Inhalte zu koordinieren, wird eine Software benötigt, etwa in Form einer App fürs Mobiltelefon („AR-Browser“). Die erweiterte Realität muss auch dargestellt werden, sodass ein Display zur Ausgabe notwendig wird. Meistens wird auch ein GPS-Sensor zum Bestimmen der Position verwendet, außerdem ein Trackingmotiv, das als Marker fungiert.

AR: kurzer Blick in die Historie

Während die Anfänge der Augmented Reality bis in die 1960er Jahre zurückreichen, ist die mobile Augmented Reality, die deinen Alltag im Besonderen treffen kann, noch sehr jung. Mit Wikitude wurde im Jahr 2008 der erste AR-Browser entwickelt; heute existiert das Wikitude SDK zum Entwickeln eigener AR-Apps.

So richtig in Fahrt kam die mobile AR-Entwicklung im Jahre 2009, als das iPhone 3Gs das Licht der Welt erblickte. Denn hier waren erstmals die benötigten Sensoren sowie deutlich mehr Leistung verbaut – AR wurde damit massenmarkttauglich. Soft- und Hardware-Anbieter bekamen reges Interesse an der erweiterten Realität, fingen an, enger miteinander zusammenzuarbeiten, und verbesserten die Technologie zusehends. So kamen nach Wikitude auch andere AR-Browser auf den Markt: layar kam im Jahre 2009, 2011 zogen AURASMA und blippAR nach, um nur einige Beispiele zu nennen.

Und wie funktioniert Augmented Reality nun?

AR-Browser oder andere AR-Anwendungen arbeiten in aller Regel mit einem Verlinkungssystem, das auf Inhalte von Entwicklern und Kunden zurückgreift. Wikitude-Nutzer erstellen und veröffentlichen beispielsweise „worlds“, bei layar heißen sie „layers“ und bei AURASMA „auras“. Den Zugang zu diesen Inhalten finden User über unterschiedliche Funktionen, manchmal über die Suche in der App, manchmal in den Favoriten und zuweilen via Visual Search, also durch eine Fotografie des Objekts und der Auswahl aus verschiedenen Ergebnissen.

So würde das Tool „Wikitude“ auf deinem Handy aussehen. (Quelle: „Cam View – Wikitude 7.6 – Landscape“ von WIKITUDE, Lizenz: CC BY-SA 2.0)

Die verschiedenen Entwickler bedienen sich unterschiedlicher Funktionsweisen, wobei im Wesentlichen die folgenden beiden oder Kombinationen daraus genutzt werden:

  • Location Based Services (LBS): dieser standortbezogene Dienst zeigt dem User relevante Informationen rund um den Standort an. Beispiel: du besuchst das Kanzleramt in Berlin und dein AR-Browser liefert dir Informationen über die Gebäude rund ums Kanzleramt, über nahegelegene Shops, weitere Sehenswürdigkeiten oder du siehst animierte 3D-Inhalte, etwa über den Bau des Kanzleramts. Via GPS wird bei dieser Methode deine Position ermittelt und die Inhalte werden in aller Regel über deine aktive Internetverbindung geladen.
  • Marker-/ Bilderkennung: Trackingmotive sind vom Entwickler vorprogrammiert. Via Marker- oder Bilderkennung erkennt der AR-Browser die Motive. Um die Motive stabil tracken zu können, ist es notwendig, dass die Kontraste und Kanten scharf sind. Während der Bildbetrachtung sind Schatten oder grelles Licht ungünstig, dadurch kann das Tracking negativ beeinflusst werden. Erkennt die AR-App das Bild, siehst du eine dreidimensionale Szene, die sich abhängig von deiner Perspektive zum Motiv ausrichtet. Innerhalb dieser Szene lassen sich nun verschiedene Inhalte darstellen. In unserem Kanzleramts-Beispiel liefe das nun so ab: du fängst das Kanzleramt mit der Kamera deines Smartphones ein und wenn du dich ums Kanzleramt bewegst, siehst du auf deinem Smartphonedisplay, dass sich die Perspektive mit deiner Position ändert. Dein GPS kann ausgeschaltet bleiben, da die Konturen des Kanzleramts eindeutig sind und die App weiß, welches Objekt du betrachtest. Nun liefert dir die AR-App wieder Informationen rund um das Kanzleramt.

Weitere Anwendungsbeispiele für AR sind etwa Wegstrecken oder das Ermitteln von Kauf- und Mietpreisen für Immobilien, historische Informationen zu allem Möglichen. So kannst du etwa in ein Museum gehen, deine AR-App öffnen und dir Zusatzinformationen über Kunstwerke liefern lassen. Auch für Fotografen ist Augmented Reality ein schönes Tool: AR-fähige Spiegelreflexkameras zeigen dem Fotografen, während er die Linse aufs Motiv richtet, die Lichtverhältnisse an, sodass der Fotograf optimieren kann und zügiger zum perfekt belichteten Bild kommt.

Einige AR-Apps zum Antesten

Einige AR-Apps haben wir dir bereits vorgestellt. Hast du Lust bekommen auf die erweiterte Realität, dürften auch die folgenden Apps für dich interessant sein:

  • TwittARound: Twitter fehlt auf den wenigsten Smartphones, denn gerade von unterwegs twittert es sich prima über den aktuellen Ausflug. TwittARound erlaubt nun folgendes: du fokussierst mit der Handykamera ein Motiv und die App zeigt dir, wer gerade in der Nähe twittert und wie weit diese Person entfernt ist. In dem Bild siehst du Twitter-Avatare kommen und gehen, wenn du die App an belebteren Orten nutzt. Die App gibt’s leider nur unter Android. So sieht das aus:

  • Augmented ID: dieses Tool stammt aus Skandinavien, genauer gesagt vom Schweden The Astonishing Tribe. Eine richtige, downloadbare App ist Augmented ID nicht, sondern eher ein integrierbares Konzept, ein Feature für den Mobile-Markt. Du hältst die Kamera deines Mobiltelefons auf einen Mitmenschen und die App verrät dir, wer diese Person ist. Nach dem Klären der Identität kannst du Zusatzinfos einholen, wenn der gescannte Mensch diese freigegeben hat: Telefonnummer, E-Mail-Adresse, Facebook- oder Last.fm-Profil. Klar: die Idee funktioniert nur dann, wenn Nutzer und zu scannender Mensch die App verwenden. Das Video verdeutlicht:

  • SnapShop Showroom: diese App richtet deine Wohnung neu ein. Na ja, fast: du wählst ein beliebiges Möbelstück aus einem Möbelkatalog aus und aktivierst die Kamera. Nun kannst du die Größe der Möbel verändern und die Möbel, die du siehst, hin und her schieben. Du kannst auch Farben und Muster nach deinem Gusto anpassen. Praktisch: hast du dich via Smartphone so eingerichtet, kannst du deine neuen Möbel auch direkt bestellen. Nutzen kannst du die App unter iOS und Android.
  • Star Chart: mit dieser AR-App kommen Sternengucker voll auf ihre Kosten. Du hältst die Kamera deines Smartphones einfach gen Firmament und tippst den gewünschten Stern an. Nun bekommst du nicht nur den Namen des Sterns zu sehen, sondern auch Informationen zur Entfernung sowie zur Helligkeit des Sterns. Die App kannst du unter iOS downloaden; für Android-User existiert mit „Sternatlas“ eine Alternative.

Unzählige AR-Apps erweitern diese kleine Auswahl an Möglichkeiten. Vielleicht hast du weitere Tipps für unsere Leser? Welche Augmented Reality-Apps kannst du empfehlen?


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