Licht & Energie

17.11.2011

Der Wettlauf um die Wüste Teil 2 – Erster Wüstenstrom kommt schon 2014

von Frank

Hallo liebe Blogleser,

bereits am 22.03. 2011 habe ich in meinem Beitrag „Der Wettlauf um die Wüste – Solarenergie“ über Visionen, Möglichkeiten und Hindernisse berichtet, die nordafrikanische Wüste zur Gewinnung von Solarstrom zu nutzen. Die Zeit der Visionen ist vorbei: 2012 will die Wüstenstrominitiative Desertec in Marokko das erste Solarkraftwerk bauen.

Im Oktober 2009 wurde die Industrieinitiative Desertec gegründet. Ihr gehören namhafte Unternehmen wie Munich Re, Siemens, Eon, RWE und Deutsche Bank an. Deren Vision: Sauberer Solarstrom aus der Wüste. Die Idee bietet beiden Seiten Vorteile: Solarkraftwerke schaffen Arbeitsplätze in der Region – und Europa bekommt eine neue Bezugsquelle für sauberen Strom.

Plötzlicher Fortschritt dank politischer Veränderungen
Der jüngste politische Umbruch, der sogenannte „arabische Frühling“, hat das Projekt kräftig angeschoben. „Das Interesse an erneuerbaren Energien ist deutlich gestiegen“, sagt Paul van Son, Chef der Wüstenstrominitiative Desertec. Das bestätigt auch Ägyptens Energieminister Hassan Younes. Das Land am Nil hat ein ehrgeiziges Ziel: Bis 2020 soll der Anteil der erneuerbaren Energien auf 20 Prozent steigen. Ägypten werde ein neues Zentrum für erneuerbare Energie, verspricht der Minister selbstbewusst.

Die Zeit der Visionen ist vorbei
Inzwischen macht Desertec große Fortschritte. Bereits 2012 soll das erste Solarkraftwerk in Marokko entstehen. Die nötige Unterstützung bei Politik und Investoren ist gesichert. Die endültige Kapazität dieses ersten Solarkraftwerkes soll 500 Megawatt betragen – das entspricht etwa der Hälfte eines Atomkraftwerkes. Zunächst ist eine Leistung von 150 Megawatt geplant. Der erste Strom könnte schon 2014 nach Europa fließen. Und immerhin ist Maraokko eines der stabilsten Länder Nordafrikas – das mach das Risiko überschaubar.

Die Zukunftsplanung geht weiter
Allerdings ist die Finanzierung des ersten Kraftwerks eine vergleichsweise kleine Hürde. Viel wichtiger ist: Wie kommt der grüne Strom aus Nordafrika nach Europa? Bisher gibt es nur eine Verbindung – zwischen Spanien und Marokko. Und diese Leitung dürfte rasch an ihre Grenzen stoßen. Neue Kabel müssten verlegt werden. Aber wer entscheidet über den Netzausbau und wem gehören die neuen Trassen? Die privaten Investoren lassen sich offenbar von den offenen Fragen nicht abschrecken. Zumindest für das Pilotkraftwerk in Marokko stehen sie bereit.

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Schlagwörter: Atomausstieg, Nordafrika, Sahara, Solaranlage, Solarenergie, Solarstrom, Wüste

2 Antworten zu “Der Wettlauf um die Wüste Teil 2 – Erster Wüstenstrom kommt schon 2014”
  1. avatar Mark sagt:

    Desertec ist ein Fall für sich. Große Konzerne, wozu unter anderem RWE, Eon und die Deutsche Bank gehören, wollen Öko-Strom in Nordafrikas Wüsten produzieren. Dieser soll dann durch ein gigantisches Stromnetzwerk bestehend aus Solarkraft – Windkraft und Solarthermiekraftwerken in Teilbereiche Europas und den Nahen Osten geliefert werden. Das gewaltige Projekt sollte bis 2050 realisiert sein, jedoch sind die Planungsaufgaben gigantisch und es kommt immer wieder zu Verzögerungen. Inzwischen hat sich die Technick weiterentwickelt, sodass die Solaranlagen in Deutschland bereits Desertec im Bereich der Stromentstehungskosten abhängen. http://www.independence.wirsol.de/news/nachster-todesstos-fur-desertec/6066 Wozu sollte dann Öko-Strom im weit entfernten Marokko nach Deutschland geliefert werden, wenn dies letztlich kostenintensiver ist, wie die Stromproduktion vor Ort?
    Zusätzlich sind die richtigen Kabel ein Problem, da auf dem weiten Weg ja so wenig Strom wie möglich verloren gehen soll. Möglich ist es, entsprechend zu bauen, aber auch dies muss erst noch umgesetzt werden. Für den sogenannten EU-Supergrid appellieren Wissenschaftler an Regierung und Wirtschaft. Aber auch hier steht das Projekt erst ist den Startlöchern. http://www.enerdream.de/forschung-und-entwicklung/53-eu-supergrid-deutschland-baut-sein-stromnetz-aus.html

    schlagen die hiesigen Solaranlagen bereits Desertec in Sachen Entstehungskosten des Stroms

    • avatar Frank sagt:

      Hallo Mark,

      sicherlich wäre eine Solarstromproduktion vor Ort die idealste Lösung, wird aber irgendwann an seine Grenzen stoßen. Ein massiver Ausbau der Solarenergie benötigt Platz – sehr viel Platz. Dem gegenüber steht die Tatsache, dass in vielen Ländern Europas (z.B. in Deutschland) kaum ein Quadratmeter ungenutzt ist. Und ungenutzte Großflächen sind in der Regel Nationalparks oder geschützte Biotope, um sie vor dem kommerziellen Zugriff zu bewahren. Sauberen Öko-Strom zu produzieren heißt leider auch immer, Natur zu opfern: Öko für den Menschen – nicht unbedingt für die Natur. Naturschützer würden Sturm laufen! Bewirtschaftete Flächen würden der Agrar-Wirtschaft fehlen. Dann hätten wir noch die Wälder… Es gibt einfach keine Brachflächen – zumindest nicht in ausreichendem Maße.

      Von daher wären Wüstenregionen ideal geeignet. Was die Sonneneinstrahlung angeht sowieso (Die Wüsten der Erde empfangen in nur sechs Stunden mehr Sonnenenergie als die gesamte Weltbevölkerung in einem Jahr verbraucht). Und die Vorteile der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) würden dann erst recht zum Tragen kommen.

      Vielleicht wird Dich auch dieser Artikel interessieren, in dem ich das Thema der Machbarkeit von Öko-Strom in Deutschland detailliert aufgreife:

      http://blog.conrad.de/deutschland-gruenes-oekostrom-land/15839/

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