Die Jugend von heute: unterschätzt bloß nicht dieses Können!

Unterschätzen wir die Jugend von heute? Wir glauben ja!

Unterschätzen wir die Jugend von heute? Wir glauben ja! (Bild: „TINCON – Tag 2“ von TINCON, Lizenz: CC BY-ND 2.0)

„Wir müssen unseren Kindern Medienkompetenz beibringen“, hört man oft. Ist das noch zeitgemäß? Oder kann die Jugend von heute uns noch etwas beibringen?

Die Jugend von heute ist da reingeboren

Medienkompetenz: dieses Wort fand und findet man immer noch überall da, wo es um den Umgang von Kindern bzw. Jugendlichen mit Technik geht. Aber, wer schreibt dieses Wort am häufigsten? Menschen aus Generationen vor den jetzigen Digital Natives, die von vor der Jugend von heute. Menschen, die nicht mit den heutigen Technologien aufgewachsen sind, Menschen, die selbst erst mal lernen mussten, sich kompetent mit den neuen technischen Möglichkeiten auseinanderzusetzen. Für die Digital Natives ist all das nicht neu, nein, sie wurden hineingeboren.

Braucht die Jugend von heute Medienkompetenz? Muss die Jugend sich mit den aktuellen technischen Möglichkeiten auseinanderzusetzen, oder nicht?

Braucht die Jugend von heute Medienkompetenz? Muss die Jugend sich mit den aktuellen technischen Möglichkeiten auseinanderzusetzen, oder nicht? (Bild: „TINCON – Tag 2“ von TINCON, Lizenz: CC BY-ND 2.0)

Kolumnist Johnny Haeusler hat auf Wired einen Artikel publiziert, der mahnen soll, die Jugendlichen im Netz nicht zu unterschätzen. Haeusler hat diverse Erkenntnisse im Medienverhalten von Jugendlichen gewonnen:

  1. Die Jugend nutzt Twitter. Insbesondere bei YouTubern sei auffällig, wie viele YouTube-Stars bei Twitter zu finden sind und andere Twitterer in ihren Bann ziehen.
  2. Eltern finden sich auf Facebook. Schon lange wurde geunkt, dass die Jugend von heute auf Facebook kaum mehr zu finden ist – nun ist es Tatsache: Facebook gehört uns Eltern. Und welcher Jugendliche tummelt sich schon gern dort, wo die eigenen Eltern und die der Freunde zu finden sind?
  3. Dafür nutzen Jugendliche Snapchat. Da sind sie unter sich, das blicken wir doch ohnehin nicht mehr. Haeusler haut schon sehr charmant in die Wunde, wenn er schreibt: „Direkter Chat inklusive Bild, Sound, Video und herrlich absurden Emojis und Filtern, das ganze angereichert mit Selbstzerstörungsfunktion: Das finden Jugendliche tatsächlich super. Ein Resultat guter Medienerziehung, möchte man meinen, denn schließlich haben wir Erwachsenen doch immer gewarnt, dass bei Facebook alles für immer und für alle sichtbar bleibt. Das ist bei Snapchat anders. Deshalb.“ Das haben wir nun also davon: die Facebook-Server haben für immer geschluckt, womit wir sie angefüttert haben, und unsere Kids sind fein raus.
  4. Browser und E-Mail sind von vorgestern. In unserem Alter abonniert man sich noch den guten alten Newsletter, googelt, um Anbieter zu finden, und liest sich gerne auch mal in Websites ein, um Informationen herauszufiltern. Alles vorbei. Die Jugend von heute googelt zwar noch, klar, auch Websitebesuche passieren. Um Informationen zu erlangen, wollen Jugendliche aber geschickte Kombis: YouTube-Videos plus Instagram plus Twitter plus App. Na ja, Haeusler gibt zu, dass die ein oder andere Information, die wir Eltern in Rundfunk und Print aufgeschnappt haben, auch mal durch uns selbst an Jugendliche getragen werden kann. Immerhin!
  5. Die Jugend möchte sehr wohl politisch mitwirken. Entgegen vieler Behauptungen, Politik ginge Jugendlichen am Allerwertesten vorbei, hat Haeusler andere Erfahrungen gemacht: viel mehr geht die Politik komplett an der Jugend vorbei. Das kann wohl jeder, der jüngst mit Jugendlichen zwischen 15 und 25 Jahren gesprochen hat, bestätigen: die Jugend von heute fühlt sich schlicht und ergreifend unverstanden und keineswegs angesprochen. Unpolitisch ist sie aber nicht! Sie saugt die Politik auf, die die sozialen Medien bieten. Und darüber hat die Jugend eine eigene Meinung.

Digital Natives ticken im Sekundentakt: Generation sofort

Dass wir wirklich in einer schnelllebigen Zeit leben, ist nichts Neues. Die Jugend von heute aber reizt diese Schnelllebigkeit noch mal aus: sie möchte alles, und zwar sofort. Bücher werden digital konsumiert: von der Bestellung bis zum Beenden des ersten Kapitels vergehen bisweilen nur wenige Minuten. Als konsequente Weiterentwicklung der E-Mail zeigen auch Messenger, dass Kontakte sich auch sofort herstellen lassen. Klebrige Dating-Portale, in denen sich Männlein und Weiblein erst mal kennenlernten, waren gestern – die Generation sofort nutzt Tinder.

Auch im TV-Konsum spiegelt sich das wider: heutige Jugendliche möchten Fernsehen zeitversetzt, möglichst individuell, möglichst personalisiert, so mobil wie es geht – und dann auch mal kostenpflichtig. Das ist ganz logisch, denn so viele internetfähige Endgeräte, wie die Jugend von heute sie nutzt, hatten wir schlichtweg nicht. Medieninhalte werden nicht mehr linear genutzt. Jugendliche lieben den Second Screen und bedarfsgerechter Paid Content ist ihnen deutlich lieber als die GEZ.

Unterschätzen wir die Jugend von heute?

Jugendliche haben schon immer in einem ganz eigenen Mikrokosmos gelebt, den Erwachsene nicht mehr verstanden haben. Das war so, das ist so und das wird wohl immer so sein. Ein bisschen aber scheint es, als wenn wir diese jetzt heranwachsende Generation fast schon unterschätzen würden. Wir mussten das World Wide Web erst verstehen, wir haben miterlebt, wie aus Handys zum Telefonieren und SMS versenden Smartphones mit Zugang zu allem Möglichen und Unmöglichen wurden. Wir haben den Wandel von der analogen zur digitalen Gesellschaft miterlebt und mitgestaltet.

Jugendliche haben schon immer in einem ganz eigenen Mikrokosmos gelebt, den Erwachsene nicht mehr verstanden haben. Das war so, das ist so und das wird wohl immer so sein.

Jugendliche haben schon immer in einem ganz eigenen Mikrokosmos gelebt, den Erwachsene nicht mehr verstanden haben. Das war so, das ist so und das wird wohl immer so sein. (Bild: „#rpTEN – Tag 3“ von re:publica, Lizenz: CC BY 2.0)

Aber: die Jugend von heute ist die digitale Gesellschaft. So kommt es zu Szenen wie die, die Lehrer Pirmin Stadler twitterte:

Schüler hat Handy auf dem Pult, ich denk: geht’s noch? Blick auf den Screen zeigt: Der bastelt an der PowerPoint-Präsentation

Der Umgang mit Geräten, in die wir erst hineinwachsen mussten, ist für die Jugend von heute einfach absolut selbstverständlich. Und es ist an der Zeit, dass wir uns daran endlich mal gewöhnen: lassen wir es geschehen, dass Jugendliche uns ihre Welt erklären. Öffnen wir uns ruhig für den Gedanken, dass Jugendliche in großen Teilen deutlich medienkompetenter sind als wir. Vielleicht sind wir dann nicht mehr so borniert, springen über unseren Schatten und fragen eben einen 10-Jährigen, wie Technik XY funktioniert.

Mitlernen heißt die Devise

Natürlich sind wir Eltern noch immer in der Pflicht, unseren Kindern Kompetenzen mitzugeben. Natürlich ist es richtig, dass wir die Datenschutz- und Nutzungsbedingungen der von Jugendlichen genutzten Medien durchlesen und diese mit ihnen besprechen.

Mitlernen heißt die Devise: wir entwachsen der Welt, in der die Jugend von heute hineingeboren wurde.

Mitlernen heißt die Devise: wir entwachsen der Welt, in der die Jugend von heute hineingeboren wurde. (Bild: „#rpTen – Tag 1“ von re:publica, Lizenz: CC BY 2.0)

Aber dann gilt es, die Kirche im Dorf zu lassen: kennt das Kind Alternativen, die etwa datenfreundlicher arbeiten, dürfen wir bereit sein, uns von unseren Kindern belehren und aufklären zu lassen.

Mitlernen heißt die Devise: wir entwachsen der Welt, in der die Jugend von heute hineingeboren wurde. Diese Welt schreitet einfach weiter und unsere Kinder haben wahrlich weniger Probleme, da mitzuhalten. Also lassen wir unsere Kids mitschreiten – und lernen ganz nebenher ihre Welt kennen.

Wie siehst du das:

Sind wir Erwachsenen nach wie vor für die Medienkompetenz der Jugend von heute zuständig? Oder hast du von deinen Kindern bzw. Teenies auch schon dazulernen können? Wie gehst du mit dem Entdeckungsdrang des Nachwuchses um? Hast du Schwierigkeiten, dem nachzugeben, oder förderst du deine Kids? Wenn ja, wie?


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