Gestatten: Bruno, der schlaue Mülleimer

Ein Mülleimer, der auf sich hält, hat eine App. Das findet zumindest Bruno. (Bild: Kickstarter)

Ein Mülleimer, der auf sich hält, hat eine App. Das findet zumindest Bruno. (Bild: Kickstarter)

Es gibt wahrscheinlich nichts, was man nicht durch ein bisschen Technik und eine App noch besser machen könnte – zum Beispiel den guten alten Mülleimer. Hier kommt Bruno.

Dass so mancher skeptisch ist in Sachen Smart Home, hat vor allem einen Grund: Es wurde uns schon so lange versprochen. Man denke doch einfach einmal an den Internet-Kühlschrank. Seit Jahren, fast schon seit Jahrzehnten, haben uns etliche Hersteller erklärt, dass der kurz vor dem Durchbruch steht. Da muss Einiges los sein am Durchbruch, wenn man mal bedenkt, wie viele Dinge da kurz davor stehen. Wie auch immer: Er ist bis heute nicht wirklich da. Versprochen wurde uns beispielsweise, dass er ganz genau weiß, was in ihm steckt – also wortwörtlich. Er könnte dann automatisch Milch nachordern, wenn wir die letzte verbraucht haben oder sie zumindest von allein auf unsere digitale Einkaufsliste schreiben. Er könnte uns davor warnen, dass Lebensmittel kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum stehen. Und natürlich wüsste unser schlauer Kühlschrank immer die besten Rezepte für all die Dinge (oder die paar wenigen Dinge), die wir in ihm aufbewahren.

An sich technisch alles möglich. Und auf nahezu jeder CES, IFA oder sonstigen Messe bekommen wir auch diese Geräte zu sehen. Allein unseren Alltag haben sie noch immer nicht revolutioniert.

Wenn schon kein Internet-Kühlschrank…

Da haben sich Jim Howard und Lori Montag vielleicht gedacht: Das geht auch eine Nummer kleiner. Wir machen jetzt erst einmal den Küchenmülleimer schlau. Vielleicht war es auch ganz anders. So oder so werben sie aber jetzt um Unterstützung auf Kickstarter. Und das ist ihr Werbefilm dafür:

Leider wird in dem Video nicht erklärt, wie es zum kuriosen Namen kam. Aber dafür erfahren wir, was Bruno denn alles leisten soll:

  • Die Mülltonne hat einen eingebauten Staubsauger, der automatisch ausgelöst wird. Damit soll Bruno nicht etwa die Küche saugen, sondern alles in sich aufnehmen, was man ihm per Kehrbesen vorlegt. Handfeger und Schaufel haben also (zumindest hier) ausgedient.
  • Auch der Deckel selbst hat einen Bewegungssensor eingebaut: Ein Wink mit der Hand genügt und schon reißt Bruno die Klappe auf.
  • Für die Mülltüten gibt es eine spezielle Vorkehrung im Innern. Damit hat man die Beutel zum einen immer zur Hand, wenn man sie braucht. Zum anderen registriert Bruno, wenn sie zur Neige gehen – und schon kann man sie per App nachbestellen. Das funktioniert übrigens nur mit Bruno-Mülltüten. Man kann auch jede andere Sorte aus dem Supermarkt verwenden, aber dann verzichtet man auf dieses Features. Als Kunde außerhalb der USA bekommt man diese Funktion aber wohl sowieso (noch) nicht. Denn Bruno selbst wird zwar international ausgeliefert, aber ob das für seine Spezial-Müllbeutel ebenfalls gilt, bleibt unklar.
  • Und zu guter letzt kann man sich von seinem Mülleimer auch daran erinnern lassen, wann die Müllabfuhr vorbeikommt – praktisch, falls man seine Tonnen selbst an der Straße platzieren muss, damit sie entleert werden.

Bruno ist also alles in allem kein Genie, aber im Gegensatz zu seinen komplett intelligenzlosen Kollegen will er sich immerhin nützlich machen. Und das ist doch schon einmal etwas. Ein wenig frage ich mich bei der Staubsaugerfunktion allerdings, wie wartungsfreundlich sie ist. Der Schmutz wird zwar direkt in den sowieso vorhandenen Müllbeutel transportiert. Aber trotzdem wird man diesen Teil doch vielleicht einmal reinigen wollen oder muss etwas entfernen, das steckengeblieben ist. Dazu gibt es leider keinerlei Informationen.

Man muss Bruno übrigens nicht an den Strom anschließen, denn der Gute hat eine eingebaute Batterie, die bis zu 30 Tage durchhalten soll.

Internationaler Versand nicht ganz billig

In diesen Farbvarianten wird Bruno angeboten. (Bild: Bruno Pressefotos)

In diesen Farbvarianten wird Bruno angeboten. (Bild: Bruno Pressefotos)

Die beiden Macher hinter den Kulissen sind übrigens keine Unbekannten, zumindest in den USA. Hier sind sie schon diverse Male mit ihren Produkten im TV aufgetreten. Allerdings sind sowohl die Gummi-Armbänder „Zanybandz“ als auch die kuriose „Slapwatch“ nicht so komplex wie Bruno. Aber man bekommt zumindest das Gefühl, dass man es hier nicht mit vollkommenen Anfängern zu tun hat.

Im Oktober wollen sie bereits liefern können. Wer über Kickstarter Geld vorschießen will, muss dabei mindestens 159 US-Dollar anlegen. Hier kommen noch Versandkosten von 70 bis 80 US-Dollar für Kunden in Europa hinzu.

Bruno hat eine Standfläche von 34 x 34 cm und ist 75 cm hoch. Man kann aus fünf Farbgebungen auswählen.

Alle weiteren Informationen findet ihr auf der Kickstarter-Projektseite.

Fazit

Mit Bruno fegt man in die Zukunft. (Bild: Kickstarter)

Mit Bruno fegt man in die Zukunft. (Bild: Kickstarter)

Wenn wir mal ehrlich sind, dann löst Bruno eine Menge „Erste-Welt-Probleme“. Mit anderen Worten: Man kann sein Leben auch ganz gut ohne überstehen. Aber darum geht es natürlich nicht, sondern um einen Komfortgewinn. Und der ist auf jeden Fall da. Jetzt stellt sich nur noch die Frage, ob dabei der Preis angemessen ist. Wären die internationalen Versandkosten nicht, könnte man sich den fast gefallen lassen. Wobei man einen „dummen“ Mülleimer in etlichen Farben, Formen und Ausführungen für viel weniger Geld bekommt.

Bei alldem könnte man die Idee von Bruno sogar ein gutes Stück weiterspinnen. Für den deutschen Markt bräuchte man zum Beispiel eine Art Multi-Bruno, in dem man sein Recycling fein säuberlich einsortieren kann. Oder er könnte einen Barcode-Scanner eingebaut haben, der Dank seiner Internetverbindung genau weiß, was wir gerade wegwerfen wollen – schon können wir es via Mülleimer auf unsere digitale Einkaufsliste setzen. Machbar wäre das und eigentlich ganz schön praktisch.

Na, mal schauen, was sich andere Erfinder noch alles so einfallen lassen…



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