Holus: Das Holodeck für den Wohnzimmertisch

Gaming ist ein denkbares Anwendungsfeld für Holos. (Foto: Holus)

Gaming ist ein denkbares Anwendungsfeld. (Foto: Holus)

Unter dem Namen „Holus“ sorgt derzeit ein Kickstarter-Projekt für Furore, das eine Art Mini-Holodeck für den Wohnzimmertisch verspricht. Klingt interessant, hat aber auch seine Fragezeichen.

Computergenerierte Welten sind ja derzeit schwer en vogue. Erst hat die Oculus Rift versprochen, uns in virtuelle Realitäten zu entführen. Neuerdings geht außerdem Microsoft für seinen Brillencomputer HoloLens hausieren, der die digitale mit der realen Welt nahtlos vermischen soll.

Solche und ähnliche Ideen geistern dabei schon lange durch die Science Fiction und verwandte Genres. Man denke nur an die holographischen Projektionen aus Star Wars, das Holodeck auf Captain Picards Enterprise oder den holographischen Doktor an Bord von Captain Janeways Voyager.

Die Faszination dieser Idee ist natürlich gut zu verstehen: Es wäre doch ein spannender Fortschritt, wenn künstliche Welten genauso echt wirken würden wie unsere natürliche Welt oder sich beides gar miteinander verwebt. Stellt sich nur noch die Frage, ob unsere heutigen technischen Möglichkeiten das schon auf eine Weise zulassen, die zu mehr als einem Jahrmarktsgag reicht. Denn man darf sich von der ersten Begeisterung nicht blenden lassen.

Die Frage ist eher: Was bleibt, wenn der Neuigkeitsfaktor verblasst ist?

Holos - Was bleibt, wenn der Neuigkeitsfaktor verblasst ist?

Holos – Was bleibt, wenn der Neuigkeitsfaktor verblasst ist? (Foto: Holus)

Jahrmarktstrick von anno dunnemals

Genau das ist auch die zentrale und entscheide Frage beim Kickstarter-Projekt Holus. Hier sitzt in einem ziemlich wuchtigen Plastikgerüst eine durchsichtige Pyramide. Wie von Geisterhand sollen darin interaktive, dreidimensionale Welten erscheinen. Das folgende Video stellt das Projekt vor:

Angefangen vom virtuellen Feuerplatz bis hin zu Lernprogrammen, Kommunikation und Spielen reicht die Phantasie der Macher für ihr Produkt.

Aber wie funktioniert das Ganze? Welchen magischen Trick haben sich die Macher einfallen lassen?

Der entscheidende Kniff dahinter ist nicht neu, sondern als „Pepper’s Ghost“ bereits bestens bekannt und wurde laut Wikipedia im 16. Jahrhundert das erste Mal beschrieben. Die Illusion entsteht kurz gesagt durch eine geschickt eingesetzte Reflexion auf Glas. Auf diese Weise übrigens ließ man in den letzten Jahren sowohl Tupac Shakur als auch Michael Jackson für Bühnenshows wiederauferstehen.

Wer es genau wissen will, kann das alles bei Wikipedia nachlesen oder sich von „Mr. Wizard“ auf YouTube erklären lassen. Beim Holus ist im oberen Teil ein quadratisches Display integriert. Hier werden die eigentlichen „Geisterbilder“ angezeigt, die man dann in der Pyramide zu sehen glaubt.

Holus-Macher versprechen viel

Eine glückliche und zufriedene Familie – natürlich nur dank holographischem Kaminfeuer! (Foto: Holus)

Eine glückliche und zufriedene Familie – natürlich nur dank holographischem Kaminfeuer! (Foto: Holus)

Die Macher des Holus suggerieren in ihrem Video einen 3D-Effekt, der in dieser Form nicht vorhanden sein wird. Ein klassisches Hologramm kann man schließlich wie einen echten Gegenstand von verschiedenen Seiten betrachten. Außerdem erscheint es uns dreidimensional.

Beim Holus aber sieht man eine zweidimensionale Grafik aus vier verschiedenen Perspektiven – pro Pyramidenseite eine. Im Video oben wirkt es hingegen so, als könne man stufenlos um das Objekt herumgehen. Das wird nur bedingt wirklich so sein.

In diesem Video wird erklärt, wie das mithilfe des Beschleunigungssensors eines Mobilgeräts umgesetzt werden soll. Und da sieht es dann gleich schon weitaus weniger elegant, nahtlos und praktikabel aus.

Die Macher sind zudem sehr zurückhaltend, was einen anderen Punkt angeht: Passende Inhalte für Holus müssen erst einmal entstehen. Einen Teil wollen sie selbst mitliefern, der Rest soll durch andere kommen. Eben das Prinzip App Store.

Das ist zwar denkbar und möglich. Es kann aber auch sein, dass man letztlich mit einem weitgehend funktionslosen Gerät zurückbleibt. Denn was nützt die beste Hardware, wenn es keine Software gibt? Deshalb versprechen die Macher im Beschreibungstext, dass Holus „jeden digitalen Inhalt“ in ein „dreidimensionales holographisches Erlebnis“ umwandeln könne.

Dagegen erfährt man an anderer Stelle, dass mit „jeder Inhalt“ in Wirklichkeit „einige wenige Inhalte“ gemeint ist. Diese Aussage trifft nämlich nur auf Inhalte zu, bei denen die Spiele-Engines Unity und Unreal im Spiel sind. Aha. Letztlich würde ich mich sowieso nicht darauf verlassen, dass die Ergebnisse auch nur annähernd so wie im Video aussehen.

Sportlicher Preis

Über der Pyramide ist ein quadratisches Display eingebaut, das die „Geisterbilder“ erzeugt. (Bild: Holus)

Über der Pyramide ist ein quadratisches Display eingebaut, das die „Geisterbilder“ erzeugt. (Bild: Holus)

Bei alldem finde ich den Preis für das Gebotene doch sehr sportlich. Es soll zwei Versionen von Holus geben: „Home“ und „Pro“. Die „Pro“-Version ist größer, hat mehr Anschlüsse sowie eingebaute Lautsprecher. Sie ist zudem für Entwickler gedacht. Die Preise liegen aktuell bei umgerechnet rund 400 Euro für die „Home Edition“ und 475 Euro für die „Pro Edition“.

Das gilt aber nur für die Kunden, die bald via Kickstarter Geld vorschießen. Sind diese Sonderangebote ausverkauft, werden 610 oder 680 Euro fällig. Der internationale Versand aus Kanada geht noch extra und dürfte sicher nicht ganz billig sein.

Die Macher versprechen die Geräte dann ab März 2016 („Pro“) und August 2016 („Home“) auszuliefern. Da geht also noch einiges an Zeit ins Land, bis man sein Mini-Holodeck auf den Wohnzimmer- oder Konferenztisch stellen kann.

Fazit

Damit man mich nicht missversteht: Ich will das Projekt nicht in Grund und Boden schreiben. Es kann durchaus Anwendungsfelder für ein solches Gerät geben.

Ich finde allerdings, dass die Macher den Mund sehr voll nehmen. Zudem zeigt ihr Kickstarter-Video eine stark idealisierte Form des späteren Erlebnisses. Wenn man für sein Projekt auf einer solchen Plattform um Unterstützer wirbt, sollte man aus meiner Sicht offen und ehrlich sein. Ansonsten erzeugt man Erwartungen, die nur enttäuscht werden können.

Daneben sind mir die tatsächlichen, alltäglichen und ganz praktischen Anwendungsfelder eben noch ein Rätsel. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich für so einen doch recht großen Kasten aktuell überhaupt gar keinen Platz hätte…

P.S.: Eines muss man den Machern lassen – den Namen ihres Projekts haben sie sehr schlau gewählt. Er ist schließlich eine Mischung aus „Holos“, also Hologrammen, und der ägyptischen Gottheit Horus, die u.a. als „Lichtgott“ bezeichnet wird. Und das alles mit einer Pyramide in der Mitte. Nicht schlecht.



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