Home Coffee Roaster: Frischer wird der Kaffee nicht mehr

Stillleben mit Home Coffee Roaster. (Bild: Ikawa)

Stillleben mit Home Coffee Roaster. (Bild: Ikawa)

Eine Firma aus Großbritannien will Kaffeegourmets begeistern: Die können mit dem Home Coffee Roaster ihre grünen Bohnen ganz individuell rösten. Gesteuert wird das Gerät (natürlich) per App.

Für manche ist eine Tasse Kaffee einfach Mittel zum Zweck und besorgt den notwendigen Kick, um einen müden Körper wieder etwas in Schwung zu bringen. Für andere wiederum gehört der Kaffee einfach dazu und sie denken gar nicht weiter darüber nach. Für wieder andere aber ist Kaffee zu kochen eine Kunst und die perfekte Tasse Kaffee das fast unerreichbar scheinende Ideal – denn was kann da nicht alles schiefgehen!

Der Home Coffee Roaster der britischen Firma Ikawa richtet sich eindeutig an die Fans, die Gourmets, die High-End-Kaffeetrinker. Denn nur die werden wohl überhaupt auf die Idee kommen, sich grüne Kaffeebohnen zu kaufen und die selbst rösten zu wollen. Mich erinnert das schwer an die Welt der Hi-Fi-Enthusiasten und ihre Weisheit: Selbst die tollsten Lautsprecher, perfekt aufgestellt und an die Creme de la Creme der Geräte angeschlossen kann nur an Klang abbilden, was in der Aufnahme drin ist. Wurde das Album im Studio verhunzt, ist alles zu spät. Ähnlich sieht es wohl so mancher Kaffee-Insider: Sind die Bohnen falsch geröstet, hilft alles nichts mehr.

Zugleich gibt es bei der Kaffeeröstung eine Menge zu beachten. Nicht nur die Dauer ist entscheidend, auch der Temperaturverlauf oder die Belüftung spielen eine Rolle. Und wer nun plötzlich das Gefühl hat, der morgendliche Kaffee schmecke irgendwie doch noch nicht so richtig perfekt, schaue sich einmal das folgende Video an. Damit haben die Macher hinter dem neuen Gadget schon sehr erfolgreich um Unterstützung auf Kickstarter geworben:

Wie man sieht, ist der Home Coffee Roaster sehr kompakt und schlicht geraten. Der macht sich auf jeden Fall gut in der heimischen Küche. Oben füllt man die benötigte Menge grüner Bohnen ein und startet dann den Röstprozess, der zwischen drei und zehn Minuten dauern soll. Die Macher setzen dabei unter anderem auf eine Technologie, für die sie mit James Dyson zusammengearbeitet haben – dem Herrn mit den beutellosen Staubsaugern. Dank seiner patentierten Idee soll diese Röstmaschine ohne Filter auskommen, der ansonsten wohl recht häufig gewechselt werden müsste.

Gesteuert wird die Maschine per App

Alle Einstellungen nimmt man beim Heim-Kaffeeröster per App vor, die es für Apple- und Android-Geräte geben soll. Weil das für einen Einsteiger ins Thema etwas überfordernd sein kann, wird es vorgefertigte Röstprogramme geben. Man kauft dazu die grünen Bohnen direkt bei Ikawa und die haben bereits die beste Variante dafür in der App abgespeichert. Fühlt man sich erfahrener und sicherer, kann man mit den Einstellungen selbst herumprobieren. Stößt man dabei auf eine neue Lieblingsröstung, kann man die nicht nur abspeichern, sondern auch mit anderen Nutzern der Maschine teilen. Hier erhoffen sich die Macher eine wachsende und lebendige Community.

Die Macher in ihrem Büro in London: Andrew Stordy (re.) und Rombout Frieling. (Bild: Ikawa)

Die Macher in ihrem Büro in London: Andrew Stordy (re.) und Rombout Frieling. (Bild: Ikawa)

Und diese Macher hinter den Kulissen sind bei alldem keine Unbekannten in dem Bereich. Bei Crowdfunding-Projekten schaut man da ja bekanntlich idealerweise sehr genau hin, wem man Geld vorschießt. So hat das Unternehmen bereits eine sehr ähnliche Maschine herausgebracht, die sich aber an Profis richtet. Auf der Kickstarter-Seite erfahrt ihr auch, was die beiden Maschinen voneinander unterscheidet – es sind aus meiner Sicht eher Details, die für den Heimgebrauch tatsächlich nicht so sehr ins Gewicht fallen sollten. Das Neue ist also letztlich nur, dass man nun auch entsprechend interessierte Endkunden erreichen will.

Denen muss der individuell geröstete und stets frische Kaffee allerdings auch einiges wert sein. 500 britische Pfund und damit rund 700 Euro muss man für ein Gerät via Kickstarter vorschießen. Im Februar 2016 sollen die Maschinen dann ausgeliefert werden. Der spätere Verkaufspreis soll gar bei umgerechnet rund 1.050 Euro liegen. Das ist schon eine Menge Geld für ein Gerät mit einem sehr beschränkten Zweck.

Eine Alternative wäre eventuell die Maschine des Berliner Startups Bonaverde. Die soll nicht nur grüne Kaffeebohnen rösten, sondern im Anschluss gleich auch noch mahlen und den Kaffee kochen – also im Prinzip das alleskönnende Kaffeewunder. Allerdings hat das via Kickstarter und Seednext vorfinanzierte Projekt eine bereits sehr holprige Entstehungsgeschichte hinter sich. Das Produkt ist noch immer nicht fertig und hat sich inzwischen weit von dem entfernt, was ursprünglich einmal versprochen wurde. Insofern würde ich persönlich hier keine Vorbestellung tätigen, aber im Auge behalten könnte man das Projekt dennoch, sofern man an einer solchen Maschine interessiert ist. Für sie musste man damals auf Kickstarter gar nur 225 Euro vorschießen. Aber das nützt natürlich wenig, wenn das Produkt niemals auf den Markt kommt.

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Bonaverde soll nicht nur grüne Kaffeebohnen rösten, sondern im Anschluss gleich auch noch mahlen und den Kaffee kochen. (Bild: Bonaverde)

In der Hinsicht mache ich mir bei dem Ikawa-Gerät weniger Sorgen, denn wie oben schon erklärt: Das neue Gadget ist im Grunde nur eine Modellvariante eines bereits vorhandenen Geräts. Die Macher wissen also schon, wie es geht und wollen sich jetzt gern neue Kundengruppen erschließen.

Ikawa bietet selbst auch grüne Kaffeebohnen und die dazu passenden Röstprogramme an. Prinzipiell kann man seine Bohnen aber auch andernorts kaufen. (Bild: Ikawa)

Ikawa bietet grüne Kaffeebohnen und die dazu passenden Röstprogramme an. Prinzipiell kann man seine Bohnen aber auch andernorts kaufen. (Bild: Ikawa)

Fazit

Meinen Kaffee mahle ich jeden Morgen mit einer manuell betriebenen Kaffeemühle und dann wird in einer Bistrokanne aufgegossen. Insofern kann man wohl festhalten: Mir reicht es nicht, irgendetwas „Kaffeeartiges“ in meinem Becher zu haben. Auch achte ich durchaus darauf, welche Sorte ich kaufe und probiere hier ab und zu mal etwas aus. Die Bohnen sind bei mir übrigens im Kühlschrank gelagert – angeblich soll sie das länger frisch halten.

Alle diese Elemente meines morgendlichen Kaffeerituals haben allerdings eine Sache gemeinsam: Sie kosten wenig Geld. Insofern muss ich persönlich sagen: So faszinierend ich die Idee des frisch und individuell gerösteten Kaffees finde, 700 Euro oder gar 1.000 Euro ist mir das sicherlich nicht wert.

Aber das mag auch daran liegen, dass ich gar nicht weiß, was mir da entgeht…



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