IFA 2015: Was steckt hinter den IFA-Trends?

IFA 2015: Was steckt hinter den IFA-Trends?

IFA 2015: Was steckt hinter den IFA-Trends? (Bild: Messe Berlin – IFA 2015 von Kārlis Dambrāns ; Lizenz: CC BY-SA 2.0).

Die IFA gehört zu den wichtigsten Trend-Messen. Aber welche dieser Trends werden massentauglich und schaffen es wirklich in dein Wohnzimmer?

Es ist weniger das Einzelprodukt, das Trends beeinflusst, als eher der Gesamteindruck, den Messen hinterlassen, der mindestens das kommende Jahr im jeweiligen Messebereich maßgeblich mitbestimmt. Die IFA in Berlin gehört zweifelsohne zu den Messen, die Trends setzen können – wenn sie sich denn durchsetzen. Die diesjährige IFA, die zwischen dem 04. – 09. September ihre Pforten geöffnet hat, setzt auf Superlative in nahezu allen Bereichen. Schauen wir uns das genauer an:

UHD BD: noch schärfer, noch satter

Als man im Jahre 2002 erstmals von der Blu-ray hörte und sie nach und nach massentauglich wurde, war sich der Microsoft-Gründer Bill Gates im Jahre 2005 sicher, dass mit diesem Format die letzte physische Option erreicht worden sei. Weit gefehlt: die Ultra-HD-Blu-ray möchte in die Fußstapfen ihres Vorgängers steigen und noch dicker auftragen. Braucht man die neue Scheibe? Noch immer spielen zahlreiche Haushalte DVDs ab, während Streaming-Dienste vergleichsweise günstige Flatrates mit HD-Filmgenuss feilbieten.

Und doch existieren sie: die Enthusiasten, die nur die Edelschmiede Bang & Olufsen an ihre Ohren lassen und ihre Augen ausschließlich mit dem Schärfsten und Sattesten verwöhnen, was der Markt zu bieten hat. Für diese Heimkino-Enthusiasten kommt die konventionelle DVD dem VHS-Format gleich und genau für diese Zielgruppe hat die Blu-ray Disc Association (BDA) im Mai 2015 den neuen Standard verabschiedet. Die Ultra HD Blu-ray Discs, kurz: UHD BD, bieten auf Dual oder Triple Layer Discs 66 oder 100 GB Speicherkapazität und damit genügend Platz für Filme mit Tonformaten wie DTS:X oder Dolby Atmos. Ein Nischentrend innerhalb einer Nische; so wird der Trend der UHD BD wohl am besten beschrieben.

Ultrahohe Auflösungen auch auf dem TV-Markt

Auf der CES oder der CeBIT 2015 waren sie bereits zu bestaunen, bei der IFA 2015 gehören sie schon zum guten Ton: ultrahochauflösende TV-Geräte, die locker 8 Millionen Bildpunkte darstellen oder mit gebogenem Bildschirm protzen. Schaut nicht nur chic aus, sondern gibt tatsächlich ein „Mittendrin, statt nur dabei“-Feeling.

Allein vom Betrachten des Geräts selbst steigt die Lust darauf, solch einen Fernseher besitzen zu wollen; nicht umsonst wirbt Samsung in dem Video, das du dir in der Produktbeschreibung des Samsung UE65JS9590 ansehen kannst, mit dem Slogan

„Nicht sehen. Erleben.“

Das Ganze gibt es auch einige Nummern kleiner und günstiger, wie Samsung mit dem Curved Smart-TV UE55JU6580 beweist.

Ist der Markt tatsächlich schon bereit für diese Technologie? Na ja, er bereitet sich momentan eher darauf vor. Die Geräte sind vorhanden und (stellenweise) bezahlbar. Nun hinkt noch die Produktion an Filmen hinterher, die das ultrahochauflösende Potenzial auch ausnutzen. Kommende Blockbuster sollen diese bisherige Lücke nun schließen; die großen Studios kündigten bereits passendes Filmmaterial an. Auf diesen Trend dürfen wir uns also alle freuen; UHD-Fernseher dürften aus der Nische in die heimischen Wohnzimmer kommen.

Der Koreaner Samsung stellte auf der IFA übrigens einen echten Protzer vor: einen SUHD-Fernseher mit Curved Display, 4K-Auflösung, einer höheren Kontrastdynamik und erweitertem Farbraum. Der Samsung UE88JS9590 dürfte jedoch mit seinen 88 Zoll tatsächlich etwas für absolute Liebhaber sein, denen ihr Filmerlebnis über alles geht. Auch Sony packt High-End-Technik in überzeugendes Design: Der neue X900C hat eine Display-Stärke von nur 4,9 mm und ist damit sogar dünner als aktuell handelsübliche Smartphones! Mit dem Android TV-Betriebssystem und 4K-Auflösung kann das ein sauberes Smart TV-Erlebnis werden.

Apropos Sony und UHD: driften wir kurz mal ab in die Smartphone-Sparte. Mit dem neuen Xperia Z5 Premium wirft der Japaner sein neues Flaggschiff ins Rennen. Mit 5,5 Zoll löst das IPS-Panel 5.840 x 2.160 Bildpunkte bei einer Pixeldichte von 800 ppi auf; niedrig aufgelöste Inhalte werden kurzerhand hochskaliert. Ende September soll das erste 4K-Smartphone den Markt erobern. Mit knapp 800 € Kaufpreis bekommst du eine 23 MP-Kamera gleich mit. Bilder des Boliden kannst du dir bei heise.de anschauen. Wie sinnvoll kann diese Auflösung sein? Für den gewöhnlichen Smartphone-User dürfte das nicht viel bringen. Da jedoch bereits ein Trend in 2016 deutlich abzusehen ist, könnte 4K-Auflösung bei Smartphones doch spannend werden: Virtual Reality. Würdest du dir bei aktuellen Display-Standards deine VR-Brille überstreifen und mit den beiden Lupenlinsen aufs Display schauen, siehst du eine Art Gittereffekt. Bei 4K-Auflösung ist dieses Gitter kaum mehr zu erkennen. Der Trend geht also zweifelsfrei in diese Richtung, ob sich solche Auflösungen jedoch bereits 2016 durchsetzen, darf bezweifelt werden – ein halbes bis ganzes Jahr Nischendasein geben wir dem VR-Trend und 4K-Smartphones noch, bis sie vielleicht massentauglich werden.

HDR: Tiefenschärfe über konventionelles 3D hinaus

Hast du dir gerade einen 3D-fähigen Fernseher gegönnt? Pech gehabt – hier kommt etwas Neues: High Dynamic Range, kurz: HDR. HDR erhöht den Kontrast so sehr, dass die besten Plasma- und LCD-Geräte dagegen verblassen, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Satte, strahlende Farben und extrem tiefe Schwarztöne führen zu einer solchen Tiefenschärfe, dass 3D einpacken kann. Fotografierst du gerne, ist dir HDR sicher nichts neues. Überhaupt spricht die Branche seit Anfang des Jahres von HDR. Nun zur IFA jedoch zeigen Hersteller erst ihre HDR-fähigen Geräte.

Und hier schaut es ähnlich aus wie bei UHD: die Technik steht, die Inhalte lassen noch auf sich warten. Dass sich große Studios nicht lange bitten lassen, versteht sich von selbst. So kündigte Fox im Mai bereits an, diverse Filme in UHD und HDR auf den Markt zu werfen. Die X-Men in HDR? Also, ich werde daran nicht vorbeikommen! Dass HDR ein Trend ist, vor dem wir uns nicht verweigern können (und wollen), zeigte Sky bereits beim Supercup-Finale, als FC Bayern gegen den VfL Wolfsburg spielte. Die komplette Produktion setzte UHD- sowie HDR-Technik ein. HDR ist ein Trend, der kommt, um zu bleiben.

3D-Sound: DTS:X & Dolby Atmos rocken die IFA

Nicht nur für deine Augen, sondern auch für deine Ohren gibt es Trends: DTS:X und Dolby Atmos. Die beiden Formate treten in direkte Konkurrenz zueinander und erste AV-Receiver, die das Surround-Sound-Format DTS:X beherrschen, werden noch dieses Jahr erwartet. Dieser objektbasierte Surround-Sound verzichtet auf ein bisher übliches eindeutiges Mehrkanal-Layout – heißt: festgelegte Setups mit 5.1 oder 7.1 werden überflüssig und der Receiver passt im laufenden Betrieb die Soundausgabe den Boxen individuell an. Das Verfahren liefert dreidimensionalen Klang mit Höhendimensionen. Ein Hubschrauber im Film klingt also so, als wenn der Hubschrauber tatsächlich über deinem Kopf kreist.

Klingt prima. Auch hier gilt jedoch: die Technologie steht, Inhalte mit DTS:X-Sound lassen noch auf sich warten. Anders schaut es hier mit Dolby Atmos aus. Die Technologie findet bereits breiteren Einsatz, Receiver existieren in zahlreichen Variationen. Mehr über die Funktionsweise kann dir das PC-Magazin in diesem Hintergrund-Artikel erklären.

Smart Home: IFA macht das smarte Zuhause normal

Was haben wir gestaunt, als sich Jalousien erstmals selbstständig schließen sollten, wenn man das Haus verlässt! Was für den einen oder anderen Technik-Liebhaber zur Normalität geworden ist, kommt jetzt auch beim Normalbürger an: Die IFA macht das Smart Home für jedermann greifbar. Dass aus dem Trend „Smart Home“ Normalität wird, sah der Verband der Internetwirtschaft eco übrigens schon Ende 2014: in seiner Pressemitteilung erklärte eco, im Jahre 2020 würden weltweit über „50 Milliarden Geräte online und steuerbar sein werden – von der Heizung bis zum Kühlschrank.“ Schon 2016 sei Smart Home auf dem Massenmarkt angekommen. Das sehen wir ähnlich: Smart Home ist nicht nur in aller Munde, sondern bald schon in aller Zuhause.

Das zeigt sich auch bei den Preisen des Smart Home-Angebots auf der IFA: das intelligente Haus bleibt nicht mehr den Besserverdienenden vorbehalten. Für wenige Euro ist der Einstieg realisierbar. Wie relevant Smart Home auf der IFA ist, zeigt allein die Tatsache, dass sich in Halle 11.1 alles um Zukunftstrends dreht. Dazu gehören 3D-Drucker, Connected Devices – und eben auch Smart Home. Wir sehen nicht mehr nur junge Start-up-Unternehmen, in denen sich ein paar verrückte Nerds mit der Heim-Automatisierung befassen, sondern wir sehen etablierte Unternehmen. Unter anderem entdecken die Telekom oder Miele den Trend für sich.

Miele zeigt etwa mit der Waschmaschine WMH 721 WPS EditionConn@ct ein vernetztes Dosiersystem: wenn das Zwei-Phasen-Flüssigwaschmittel, mit dem die Waschmaschine arbeitet, zur Neige geht, erfährst du das über eine App. Du kannst das Waschmittel mit einem Fingertipp nachbestellen. Die Bestellvorgänge werden über die „Connected Industry Platform“ (kurz: CIP) der Telekom abgewickelt; die Waschmaschine verbindet sich via WLAN mit dieser Plattform. Später möchte Miele noch bei Geschirrspülern ansetzen.

Über Schutzmaßnahmen müssen sich die Hersteller noch Gedanken machen: das intelligente Zuhause möchte vor Hackern gesichert sein. Ideen existieren bereits: eine zentrale Plattform mit einheitlichen Datenschutzstandards ist bei den Herstellern im Gespräch, die gleichzeitig als Gateway dienen könnte, worüber die Geräte ins Netz gehen. Hier wird das Jahr 2016 sicherlich Neuerungen bringen, damit das Smart Home nicht nur anwendbar, sondern auch sicher wird.

IFA-Trends: was ist dein persönliches Highlight?

Die IFA möchte Trends massentauglich machen – und in vielerlei Hinsicht gelingt dies auch.

Die IFA möchte Trends massentauglich machen – und in vielerlei Hinsicht gelingt dies auch. (Bild: Telepresence robot, IFA 2015 von Kārlis Dambrāns ; Lizenz: CC BY-SA 2.0).

Die IFA möchte Trends massentauglich machen – und in vielerlei Hinsicht gelingt dies auch. Wenngleich die Blu-ray in konventioneller Form und auch die UHD BD ein Schattendasein fristen wird, kommst du an anderen Trends nicht vorbei: dein Zuhause wird für günstiges Geld intelligent, die Bilder auf deinem Fernseher und Smartphone so scharf und tief, dass du deine 3D-Brille wegwerfen kannst. Oder du tauschst sie gegen eine VR-Brille, denn in 2016 wird Virtual Reality dafür sorgen, dass du in neue Erlebniswelten abtauchen kannst – während deine Waschmaschine selbstständig neues Flüssigwaschmittel bestellt.

Fernseher mit bestechend scharfen Displays und High-End-Sound von überall, Smart Home-Wunderwerke, die zur Normalität werden: was hat dich bei der IFA 2015 so richtig mitgerissen? Bei welchem Trend wünschst du dir, dass er massentauglich wird und auch bei dir einzieht? Oder bist du längst mit UHD BD auf deinem Curved-TV ausgerüstet, den du über dein Premium-Smartphone steuerst? Diskutiere mit uns – in den Kommentaren und auf Facebook!



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