Internet of Things: Leben wir bereits in der Zukunft?

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Wir gehen nicht mehr ins Web. Wir sind es einfach. (Foto: © 2015 Deutsche Messe AG)

Neulich im Supermarkt: Ich gehe an die Fleischtheke, suche das passende Steak und dieses beginnt, sich mit mir zu unterhalten: „Du hast bereits Gemüse im Einkaufswagen. Möchtest du ein Abendessen zubereiten?“ – Ich bejahe und erhalte den netten Hinweis, dass der Reis gerade im Sonderangebot ist.

Natürlich spricht nicht wirklich das Stück Fleisch zu mir, sondern der NFC-Chip, mit dem es ausgerüstet ist. Der Chip ist auch mit meinen Gesundheitsdaten verbunden und kann mich darauf hinweisen, dass ich meiner Gesundheit zuliebe eher mehr Gemüse kaufen sollte. Ach, da meldet sich mein Kühlschrank auf dem Smartphone: Die Margarine möchte aufgefüllt werden. Na ja, wenn ich das Smartphone eh schon in der Hand habe, kann ich direkt aus dem Supermarkt auch den Geschirrspüler schon starten.

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Dank dieser kleinen NFC-Chips können sogar deine Lebensmittel in Zukunft miteinander vernetzt werden. (Foto: Franck Schneider, Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0)

IoT auf der CeBIT: Erleben, was geht

Die Google Glass blendet dir aktuelle Informationen aus dem Internet direkt in dein Sichtfeld ein. (Foto: Ted Eytan, Lizenz: CC BY-SA 2.0)

Visionen dieser Art waren es, zu denen die diesjährige CeBIT meine Vorstellungskraft angeregt hat: Das Internet of Things war eines der großen Themen. Und eines war sehr auffällig: Wenngleich die Fleisch-NFC-Vision noch etwas dauern wird, sind wir schon mittendrin im Internet der Dinge – oder vielmehr: Die Dinge sind bereits mitten im Web.

Deutlich wurde, dass der menschliche Körper und Technologie immer weiter miteinander verschmelzen; der menschliche Körper wird technologisiert. Das beginnt bei Sportsocken, die ständige Gesundheitsdaten liefern, und endet noch lange nicht bei Datenbrillen wie Google Glass, die uns erlauben, unsere Umwelt endlich wieder in aufrechter Körperhaltung wahrzunehmen. Es sollen schon Unfälle dadurch entstanden sein, dass Menschen ihren Blick aufs Smartphone richteten und den Straßenverkehr missachteten. Und diese Vision geht weiter: Autos, die selbstständig fahren und abbremsen, vermeiden weitere Unfallgefahren. Wir beginnen, uns ein komplett technologisiertes Ökosystem zu schaffen, in dem Menschen und Gegenstände vernetzt sind.

Wird die Welt nun weniger menschlich?

Kritiker und Zweifler werden nicht müde, zu behaupten, das Internet der Dinge würde die Welt unmenschlicher machen. Oberflächlich mag es auch so klingen, dieses technologisierte Ökosystem, auf das wir schnellen Schrittes zusteuern. Jedoch ist dieser Eindruck von Technik sehr naiv. Technologie erlaubt uns neue Möglichkeiten, wie wir diese aber nutzen, bleibt doch jedem selbst überlassen. Klar: Den Anschluss zu verpassen, kann sich keiner wirklich leisten. Aber der genutzte Umfang bleibt individuell. Das zeigt bereits das Beispiel Smartphone: So gut wie jeder besitzt mindestens eines. Inwieweit jedoch alle Features genutzt werden, geht schon sehr weit auseinander.

So entwickeln wir uns also keineswegs dahin, dass Technologie uns alle gleicher werden lässt – im Gegenteil: wir können uns sehr individuell weiterentwickeln und persönliche Ideen verwirklichen. Das Umgehen mit Technologie im Allgemeinen und dem Internet der Dinge im Besonderen kann etwas sehr Persönliches sein.

Persönlich? Inmitten der Überwachung?

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Egal an welchem Ort du dich befindest, du wirst überall überwacht. Dies passiert immer mehr unterbewusst und genauso funktioniert es im Internet. (Foto: flierfy, Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0)

Von Intimität wissen Geheimdienste sowie Internetkonzerne offensichtlich nur in der Theorie etwas; Berichte über Überwachungspraktiken sind mittlerweile nahezu täglicher Bestandteil der Medien. Jedoch hat auch diese Medaille zwei Seiten: Wir leben in einer Sharing-Economy. Wir teilen Fotos auf Facebook, sprechen in Foren über Probleme, tauschen uns öffentlich aus. Wir teilen und wir teilen mit. Inmitten dieser Sharing-Gesellschaft erfahren wir erstmals offiziell von Geheimdiensten, die uns überwachen.

Diese Nachricht kam allerdings gerade zum rechten Zeitpunkt, nämlich zu einem, an dem wir noch handlungsfähig sind. Snowdens Enthüllungen haben uns aufgerüttelt. Jeder Privatmensch ist sich selbst gegenüber verpflichtet, persönliche Daten mit Bedacht einzusetzen. Grundsätzliche Fragen zu Sicherheit und Privatsphäre müssen im gesellschaftlichen Kontext und zusammen mit Wirtschaft und Politik erörtert werden.

Das Internet ist unsichtbar geworden

Heutzutage wird im Internet durch die sogenannten Cookies alles abgespeichert und das IoT kann praktisch selbstständig interagieren. (Foto: Kristina Alexanderson, Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0)

„Bin ich schon drin oder was“, fragte „uns Bobele“ Ende der 90er Jahre. Heute, 15 Jahre später, stellt sich diese Frage gar nicht mehr: Wir gehen nicht mehr ins Web. Wir sind es einfach. Informationen umgeben uns immer und überall. Im Zeitalter des IoT müssen wir Informationen nicht mal mehr abrufen. Ohne aktives Zutun unsererseits sind Geräte und Sensoren dazu befähigt, selbstständig zu interagieren. Das Internet ist bereits unsichtbar. Und das Internet of Things macht uns und alles, was uns umgibt, autonomer.

15 Jahre liegen zwischen der AOL-Werbung und dem Internet of Things, das uns im Smart Home, in Smart Cities und mit smarter Gesundheitsvorsorge längst schon umgibt. Wir leben mitten in der Zukunft. Uns interessieren deine Ideen: Was denkst du, wird in weiteren 15 Jahren sein? Wie leben wir? Wie kleiden wir uns? Wie kommunizieren wir – und womit kommunizieren wir? Lass uns in den Kommentaren an deinen Ideen teilhaben!



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