Mesh: Auch du kannst Daniel Düsentrieb sein

Zum Start besteht „Mesh“ aus der kostenlosen iPad-App sowie bis zu vier „Tags“. (Bild: Indiegogo)

Zum Start besteht „Mesh“ aus der kostenlosen iPad-App sowie bis zu vier „Tags“. (Foto: Indiegogo)

Mit „Mesh“ soll jeder zum Smart-Home-Spezialisten werden: Es besteht aus vier Bausteinen sowie einer App fürs Programmieren per Fingertipp. Hinter dem Projekt steckt ein großer Name: Sony.

Es wird viel gesprochen und geschrieben über das „schlaue Zuhause“, „schlaue Städte“ und das „Internet der Dinge“. Ein Teil dieser geballten Schlauheit ist am Ende vor allem Eines: geschickte Automatisierung. Genauer gesagt: Man setzt Sensoren ein, um Daten zu erfassen und legt dann fest, welche Aktion bei einem bestimmten Ereignis oder Messwert ausgelöst werden soll. Beispiele: Wird die Haustür geöffnet, bekommt man eine Nachricht aufs Handy. Verlässt die letzte Person das Zuhause, werden automatisch die Lichter abgeschaltet, die Fenster geschlossen und die Heizung heruntergeregelt.

Das Projekt „Mesh“ will nun jedem die Mittel an die Hand geben, solche und ganz andere Dinge selbst umzusetzen. Sie erreichen das, in dem sie sozusagen aufs Lego-Prinzip setzen: Sie stellen Bausteine zur Verfügung und aus deren Kombination kann dann etwas Größeres entstehen. Genau genommen sind es zum Start drei solcher „Tags“ für Jedermann:

  • Beschleunigungssensor
  • Taster
  • LED

Die kleinen Kästchen haben dabei ungefähr das Format einer Streichholzschachtel, sind aus Plastik und kommen in freundlich-bunten Farben daher. Sie kommunizieren drahtlos miteinander: Das stromsparende Bluetooth 4.0 kommt zum Einsatz. Via Micro-USB kann man sie bei Bedarf wieder aufladen.

Programmieren per Fingertipp

Die iPad-App ist einsteigerfreundlich, ermöglicht für Fortgeschrittene aber durchaus auch komplexe Abläufe. (Bild: Indiegogo)

Die iPad-App ist einsteigerfreundlich, ermöglicht für Fortgeschrittene aber durchaus auch komplexe Abläufe. (Foto: Indiegogo)

Man „programmiert“ sie über eine simple iPad-App. In ihr zieht man einfach mit dem Finger Verbindungen zwischen seinen Tags. Mesh präsentierte sich kürzlich auf einer Messe hier in San Francisco mit einem nicht so ganz ernst gemeinten Beispiel: Fegte man mit einem Besen, ging ein Licht an. Das ist albern, sollte aber schlichtweg demonstrieren, wie einfach man mit Mesh solche „smarten“ Automatiken umsetzen kann. In diesem Beispiel zog man eine Linie vom Beschleunigungssensor zur LED – fertig: Sobald der Sensor etwas feststellt, geht das Licht an. Zieht man die Linie hingegen zum E-Mail-Symbol, bekommt man eine voreingestellte Nachricht zugeschickt, sobald der Sensor anschlägt – schon hat man ein einfaches Alarmsystem. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Darüber hinaus kann die App Aktionen auch zeitgesteuert auslösen oder beispielsweise erst nach Erreichen einer bestimmten Anzahl. Und wer sich mit JavaScript auskennt, kann darüber eigene Aktionen entwickeln. Zudem will das Team sein System auch mit anderer Software und mit Webdiensten verknüpfen. Man denke hier nur an Angebote wie „If This Then That“ (IFTTT), bei dem man zahlreiche Internetservices automatisiert ansprechen und auslösen kann. Das Potenzial ist also enorm.

„Wir wollen Erfinden intuitiv machen“

Gegenüber dem Magazin „Wired“ erklärte Takehiro Hagiwara, sein Team wolle Erfinden intuitiv machen. Mit anderen Worten: Jeder kann Daniel Düsentrieb werden. Um auch anspruchsvollere Anwendungen zu ermöglichen, gibt es bereits jetzt ein generelles Input/Output-Modul, an das man beispielsweise Servos und andere Hardware anschließen kann. Weitere Tags sind denkbar. Angekündigt sind beispielsweise:

  • Luftfeuchtigkeitsmesser
  • Infrarot-Empfänger und -Sender
  • Licht- und UV-Sensor
  • Kohlendioxid-Sensor
  • Bewegungssensor
  • Elektromotor
Mit künftigen Erweiterungen des Systems werden auch Ideen wie ein automatisches Bewässerungssystem für Topfpflanzen möglich. (Bild: Indiegogo)

Mit künftigen Erweiterungen des Systems werden auch Ideen wie ein automatisches Bewässerungssystem für Topfpflanzen möglich. (Bild: Indiegogo)

Die Macher haben inzwischen eine Aktion auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo erfolgreich abgeschlossen. Ein „Basic Set“ bestand dort aus den drei oben genannten Tags und kostete 119 US-Dollar. Wollte man außerdem das Input/Output-Modul, brauchte man das „Advanced Set“ für 169 US-Dollar. Auch Pakete mit fünf „Basic“ oder fünf „Advanced“ Sets wurden angeboten. Bereits im Mai 2015 sollen die Geräte an die Unterstützer geschickt werden. Hier diente Indiegogo also offensichtlich vor allem der Marktforschung und der Werbung fürs Produkt.

Und das ist auch kein Wunder, denn das Mesh-Team ist nur auf den ersten Blick ein Startup. Dahinter steht eher unauffällig ein prominenter Name: Sony. Die Macher sind Mitarbeiter des Elektronikgiganten. Sie profitieren damit von Sonys „Seed Accelerator“, mit dem das Unternehmen neue Anwendungsfelder und Produktkategorien erschließen will. Daraus war 2014 beispielsweise eine minimalistische E-Paper-Armbanduhr hervorgegangen.

Fazit

Mesh zeigt aus meiner Sicht vor allem Eines: Wenn man sich geschickt anstellt, kann man moderne Technologien jedermann zugänglich machen. Die ersten Anwendungsbeispiele klingen dabei noch etwas albern. Und vielleicht sind die Tags in ihrer jetzigen Form auch noch zu groß. Schließlich ist es die Vision der Macher, dass wir diese Sensoren, Schalter und anderen Elemente direkt an Alltagsgegenständen befestigen können. Erst dann entfalten sie ihre ganze „Magie“.

Aber wenn das System in den nächsten Monaten tatsächlich noch um weitere Bausteine wächst, ergeben sich ganz neue Möglichkeiten. Kombiniert mit der wunderbar simplen iPad-App gibt Mesh damit einen Einstieg für alle, die sich Programmieren und Selberbasteln (noch) nicht zutrauen.

Schade nur, dass der Preis doch ganz schön hoch geraten ist.



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