Musio: Wird dieser putzige Roboter dein bester Freund?

Musio ist eine lernende, per Sprache steuerbare Plattform in einem knuffigen Outfit. (Bild: Indiegogo)

Musio ist eine lernende, per Sprache steuerbare Plattform in einem knuffigen Outfit. (Bild: Indiegogo)

Ein kleiner Roboter namens Musio soll die Herzen erobern und das Smart Home steuern. Dahinter steckt eine Firma, die auf künstliche Intelligenz spezialisiert ist.

Es erscheint wie der nächste logische und vor allem natürliche Schritt, dass wir uns künftig mit Computern unterhalten. Was in Fernsehserien wie Raumschiff Enterprise oder Knight Rider noch Science Fiction war, ist heute mit gewissen Abstrichen bereits Realität. Wer möchte, kann schließlich heute bereits wie damals David Hasselhoff mit seiner Armbanduhr sprechen.

Die Vorteile einer verbalen Kommunikation zwischen Mensch und Maschine liegen auf der Hand. Zum einen ist es viel natürlicher, Informationen per gesprochener Sprache weiterzugeben oder anzufordern – wir tun das jeden Tag im Gespräch mit unseren Mitmenschen. Zum anderen lassen sich manche Dinge eben sehr viel einfacher in einen Satz kleiden.

Die Anfrage „Welche Züge fahren morgen Nachmittag von Hamburg nach Berlin“ ist ein gutes Beispiel. Darin stecken viele Informationen, die man ansonsten mühselig  per Webformular eingeben müsste. Hat man eine Angabe vergessen oder ist etwas unklar, könnte der Computer einfach nachfragen.

Das US-Unternehmen AKA arbeitet an solchen Lösungen. Sie beschäftigen sich mit Spracherkennung und Sprachausgabe, aber zugleich auch mit Machine Learning. Damit ist gemeint, dass das System mit der Zeit von allein besser wird, also dazulernt.

Jetzt wollen sie ein erstes Produkt auf den Markt bringen – einen ziemlich putzig aussehenden Roboter namens Musio. Das folgende Video stellt ihn vor und wirbt derzeit auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo um Unterstützer:

Eigentlich als Lernpartner für Kinder geplant

Ursprünglich hatten die Macher den kleinen Kerl als Lernpartner für Kinder gedacht, wofür er auch jetzt noch geeignet ist. Er sollte vor allem dem Nachwuchs in Asien helfen, Englisch zu lernen. Inzwischen sind die Macher aber wohl auf den Trichter gekommen, dass sich mit dem Musio noch mehr anstellen ließe. Deshalb kann er nun je nach Modell beispielsweise auch mit Smart-Home-Elementen kommunizieren.

Er kommt mir bei alldem vor wie eine Kreuzung aus dem „Social Robot“ Jibo und dem guten alten Furby. Und mit Blick auf Kinder als Zielgruppe hat er außerdem die CogniToys als Konkurrenten, die auf IBMs „Watson“-Technologie setzen.

Die Macher betonen bei alldem, dass ihr Musio weit über das hinausgehe, was Sprachassistenten von Apple, Google, Microsoft und anderen heute schon können. Ihr Ansatz soll sich vor allem dadurch unterscheiden, dass Musio hinzulernt und eine „echte“ Konversation möglich sein soll.

Aktueller Prototyp eher ernüchternd

Musios Akku soll 11 bis 13 Stunden halten. Wasserfeste ist der Roboter übrigens nicht. (Bild: Indiegogo)

Musios Akku soll 11 bis 13 Stunden halten. Wasserfeste ist der Roboter übrigens nicht. Links neben ihm sieht man hier den „intelligenten“ Stift namens Sophy, mit dem man spezielle Aktionen auslösen kann. (Bild: Indiegogo)

Die Kollegen von Engadget hatten die Möglichkeit, einen Musio-Prototypen selbst auszuprobieren. Im verlinkten Artikel findet sich ein Video. Die Ergebnisse finde ich persönlich allerdings ernüchternd. Sicher: Der Roboter ist noch nicht fertig, aber man sieht eben auch, dass das Werbevideo oben doch eine ganze Menge verspricht, das heute noch nicht da ist.

So ist Musios Stimme bestenfalls gleichauf mit Siri & Co. Die Antwortgeschwindigkeit ist auch nicht gerade berauschend. Und es bleibt unklar, was genau Musio verstehen kann und wo der Roboter wirklich hilfreich sein wird.

Drei verschiedene Modelle haben die Macher nun aktuell via Indiegogo im Angebot. „Simple“, „Smart“ und „Genius“. In der einfachsten Version ist Musio auf der Crowdfunding-Plattform zwar schon ab 99 US-Dollar zu haben, aber dieses Modell hat keine Drahtlos-Techniken eingebaut und kann sich auch nur fünf vorhergehende Konversationen merken.

Ganz ehrlich: Ich weiß nicht, warum die Macher dieses Modell eigentlich anbieten, weil es fast nichts von dem kann, was sie versprechen.

Wirklich interessant wird es erst beim „Smart“-Modell, das momentan ab 249 US-Dollar zu haben ist. Das „Genius“-Modell hat einen größeren Akku und mehr Speicherplatz. Hier werden mindestens 549 US-Dollar fällig. Der internationale Versand kostet noch einmal jeweils 25 US-Dollar extra.

Android und Arduino an Bord

Und wer sich für die technischen Details interessiert: In der knuffigen Hülle der Modelle „Smart“ und „Genius“ befindet sich zum einen ein Arduino-kompatibles Board sowie ein wenig Smartphone-Technologie samt Android als Betriebssystem.
Die Verbindung nach außen wird über Bluetooth und WLAN hergestellt, außerdem steht der Smart-Home-Funkstandard Zigbee zur Verfügung. Der eingebaute Akku soll bei allen drei Modellen 11 bis 13 Stunden halten. Aufgeladen wird Musio via USB-Kabel.

Zu jedem Musio gehört außerdem eine Art Stift in Delphin-Form namens „Sophy“. Mit ihm soll man Musio spielerisch steuern können, in dem man mit dem Stift auf eine entsprechend präparierte Karte tippt. Im Video oben wird Musio damit beispielsweise „gefüttert“.

Es könnte aber auch Lernprogramme starten oder andere Aktionen auslösen. Die Funktionsweise: Der Stift erkennt spezielle Muster, die fürs menschliche Auge nicht sichtbar sind. Solche Karten muss man aber wohl nicht zwingend kaufen, sondern kann sie auch zu Hause ausdrucken.

Fazit

Man wolle den Menschen zeigen, dass man vor künstlicher Intelligenz keine Angst haben müsse, sagen die Macher. (Bild: Indiegogo)

Man wolle den Menschen zeigen, dass man vor künstlicher Intelligenz keine Angst haben müsse, sagen die Macher. (Bild: Indiegogo)

Musio soll so etwas wie ein bester Freund werden, mit dem man sich unterhalten und Spaß haben kann, hat AKA-Linguist Jacob Bradsher gegenüber Engadget erklärt.

Viele Menschen haben vor künstlicher Intelligenz Angst, aber wir wollen zeigen, wie man sie für gute Dinge nutzen kann.“

Was die Macher hier anstreben, soll also eher wie „Samantha“ im Film „Her“ daherkommen oder wie „J.A.R.V.I.S.“ in den „Iron Man“-Filmen. Hier haben die jeweiligen Menschen natürlich scheinende Konversationen mit dem Computer und entwickeln sogar eine persönliche Beziehung. Entsprechend soll Musio nicht nur auf direkte Sprachbefehle reagieren, sondern beispielsweise auch sonst erkennen, wie es seinem Besitzer gerade geht und zum Beispiel die Stimmung mit einem Witz auflockern, wenn das gerade passt.

Fraglich ist für mich nur, wie gut der kleine Roboter Musio wirklich sein wird, wenn er auf den Markt kommt. Auf ihrer Seite und in Videos stänkern die Macher jedenfalls recht selbstbewusst gegen Siri & Co. Der aktuelle Stand der Dinge im Engadget-Video zeigt hingegen, dass es bis dahin noch ein gewisser Weg ist.

Immerhin soll Musio auch erst in einem Jahr auf den Markt kommen. Aber wer weiß, was Apple und Google bis dahin entwickelt haben werden? Auch Microsoft, IBM und andere Schwergewichte der Tech-Industrie arbeiten in diesem Bereich.

So oder so hoffe ich persönlich sehr, dass diese Form der sprachgesteuerten Assistenten flink weiterentwickelt wird. Sie sind zwar nicht für alle Aufgaben geeignet.

Insofern glaube ich nicht, dass wir so bald auf Eingabegeräte wie Touchscreen, Tastatur und Maus verzichten werden. Aber wie oben schon angedeutet, gibt es eben durchaus Situationen, in denen es schneller, einfacher und vor allem auch natürlicher ist, mit einem Computer via Sprache zu kommunizieren.

Richtig interessant wird es natürlich erst, wenn wir alle ein Computer-Interface im Kopf eingepflanzt haben und die biologischen und elektronischen Hirne direkt miteinander kommunizieren.

Aber bis dahin ist es dann wohl doch wirklich noch eine Weile hin…



Sag uns deine Meinung!