Na dann mal gute Nacht: Besser schlafen mit Sleeptracker

Der futuristisch designte Withings Aura sorgt mit künstlichen Sonnenunter- und -aufgängen für besseren Schlaf. (Bild: Withings)

Der futuristisch designte Withings Aura sorgt mit künstlichen Sonnenunter- und -aufgängen für besseren Schlaf. (Bild: Withings)

Ganz schön ausgeschlafen: Armbänder, Gadgets für den Nachttisch oder gar „smarte“ Matratzenschoner sollen uns zu mehr Nachtruhe verhelfen. Traum oder Wirklichkeit?

Guten Morgen! Ausgeschlafen? Was heißt denn hier „Geht so“? Hat etwa die Frühjahrsmüdigkeit zugeschlagen? Na, das kennen sicherlich viele von uns: Man ist morgens geschaffter als am Abend zuvor. Wir sind dann unkonzentriert, reizbar und alles in allem anfälliger für Krankheiten. Manche brüsten sich, sie bräuchten nur wenige Stunden Nachtschlaf. Es ist allerdings Fakt, dass die überwiegende Mehrheit acht Stunden pro Tag braucht und darauf auch nicht verzichten sollte. Kaffee beispielsweise kann man zwar gern nutzen, um sich ein wenig mehr auf Touren zu bringen, es ist aber kein Ersatz für zu wenig Schlaf.

Verrückt ist in gewisser Weise, dass ausgerechnet wir in unserer hochtechnisierten und allzeit erforschten und überwachten Welt Schwierigkeiten mit etwas so Banalem und Natürlichem wie dem Schlaf haben. Stimmt aber trotzdem. Manche sehen die Schuld dabei gerade in dieser Technik: Unsere Beleuchtung beispielsweise verlängert den Tag künstlich. Strahlen die Lampen dann auch noch bläulich, signalisiert das dem Körper: Es ist hellichter Tag, keine Zeit für Schlaf! Eben dieser Effekt wird unseren zahlreichen Displays nachgesagt, die in der Regel sehr bläulich abgestimmt sind: Fernseher, Laptop, Tablet, Smartphone.

Getreu einer alten Redensart versuchen nun manche den Teufel mit dem Belzebub auszutreiben: Noch mehr Technik soll richten, was die bisherige Technik angerichtet hat. Und das könnte sogar klappen.

Armbänder

Fitnesstracker wie hier der Garmin Vivosmart liefern oftmals auch Daten zum Schlaf. (Bild: Garmin)

Fitnesstracker wie hier der Garmin Vivosmart liefern oftmals auch Daten zum Schlaf. (Bild: Garmin)

Ganz groß im Gespräch sind derzeit Fitnesstracker, die man wie ein Armband ums Handgelenk trägt. Beispiele sind Garmin vivofit und vivosmartFitbit Charge und Fitbit Flexdie gerade aktualisierten Jawbone Up und einige mehr. Sie erfassen mit ihren eingebauten Sensoren die Aktivität des Trägers. Diese Daten werden in der Regel an eine Smartphone-App gesendet und dort auch visualisiert. Hier ist das Überwachen des Schlafs also nur eine Funktion unter mehreren. Generell kann man diese Geräte benutzen, um sich Fitnessziele zu setzen oder sein Training auszuwerten. Je nach Modell kann man in der App darüber hinaus manuell festhalten, was man gegessen hat.

Alles in allem soll man so einen besseren Einblick dazu bekommen, wie viel man sich bewegt und wann. Und beim Thema Schlaf erfährt man automatisch, wann man zu Bett gegangen ist, in welchen Schlafphasen man wann war und wann man wieder aufgewacht und aufgestanden ist. Dazu muss man keinen Knopf drücken und keine Eingaben machen: Die Armbänder erkennen das in der Regel von allein.

Hier sollte man natürlich darauf achten, dass das Gadget bequem am Handgelenk sitzt und beim Schlaf nicht stört. Was die Zuverlässigkeit der Daten angeht, sollte man sicherlich nicht die Genauigkeit eines Schlaflabors erwarten. Aber man kann dennoch einiges ablesen und seine Schlüsse ziehen.

An sich ist übrigens auch schon das eigene Smartphone für diese Aufgabe geeignet. So gibt es diverse Apps, die über die Sensoren eines modernen Handys ähnliches leisten sollen. Allerdings scheint die Genauigkeit hier so gering, dass es kaum Sinn ergibt. Zudem muss man es manuell einschalten und nicht zuletzt sein Smartphone auf dem Bett platzieren – nicht gerade praktikabel. Außerdem dürfte es in diesem Fall auch sehr schwierig werden, die Schlafbewegungen zweier Personen auf der gleichen Matratze auseinander zu halten. Da haben es die Armbänder schon leichter.

Gadgets für den Nachtschrank

Die „Sense“-App visualisiert und bewertet die Daten und gibt außerdem Ratschläge für besseren Schlaf. (Bild: Hello)

Die „Sense“-App visualisiert und bewertet die Messdaten und gibt außerdem Ratschläge für besseren Schlaf. (Bild: Hello)

Aber nicht jeder möchte etwas am Handgelenk tragen. Zudem sind die Features der Fitnesstracker auf das reine Erfassen der Schlafaktivitäten beschränkt. In eine ganz andere Richtung gehen da Geräte wie das überaus erfolgreiche Crowdfunding-Projekt Sense. Die kleine Kugel für den Nachtschrank ist jetzt erhältlich. Bei ihr steckt der Sensor in einem eigenen kleinen Gehäuse, das man direkt ans Kopfkissen klippt. Die Basisstation wiederum kann zahlreiche weitere Eckdaten erfassen: Geräusche, Licht, Temperatur, Luftfeuchtigkeit sowie die allgemeine Luftqualität. Anhand dieser automatisch gemessenen Informationen macht die Sense-App dann Vorschläge, wie man seinen Nachtschlaf verbessern könnte. Darüber hinaus agiert Sense als schlauer Wecker, der eine leichte Schlafphase abwartet, bevor er Alarm schlägt.

In eine ganz ähnliche Richtung geht der Withings Aura. Auch hier ist der Sensor für die Schlafaktivität in einem eigenen Gehäuse untergebracht. In diesem Fall platziert man ihn aber unter der Matratze. Die Basisstation selbst hat ein ungewöhnliches Design, das ein wenig an ein Fenster im Flugzeug erinnert. Das hat seinen Sinn, denn Aura soll sich auch als Nachtischlampe nützlich machen und als „Sonnenaufgangs-Wecker“: Anstatt mit einem kreischenden Alarm soll man hier sanft vom heller werdenden Licht geweckt werden. Und umgekehrt: Man kann sich abends von beruhigenden Geräuschen und einem künstlichen Sonnenuntergang einlullen lassen.

Schlaues Matratzen-Zubehör

Der Beddit-Sensor wird auf der Matratze befestigt. (Bild: Beddit)

Der Beddit-Sensor wird auf der Matratze befestigt. (Bild: Beddit)

Neben dem oben bereits erwähnten Sense war auch Beddit ein Crowdfunding-Erfolg. Hinter dem Namen verbirgt sich eine Art flacher Sensorgürtel, den man auf der Oberseite der Matratze befestigt, in etwa dort, wo der eigene Brustkorb normalerweise zu Liegen kommt. Er soll die Schlafbewegungen erfassen und kann einen „smarten“ Alarm steuern.

Ganz ähnlich funktioniert RestOn: Auch dieses flache Band wird auf der Oberseite der Matratze positioniert. In der dazugehörigen App kann man dann ablesen, wie viel tiefen und leichten Schlaf man hatte, wie oft man wach war, wie häufig man sich umgedreht hat usw. Ebenso wie Beddit soll auch RestOn die Atemfrequenz und den Puls messen können. Außerdem gibt einem die App konkrete Ratschläge anhand der gemessenen Daten, wie man den eigenen Schlaf verbessern könnte.

Die beste Bauform hat in diesem Bereich aber das noch frische Crowdfunding-Projekt „Luna“ gefunden: Es kommt als Matratzenschoner daher. Auf diese Weise hat es einen festen Sitz, sollte auch empfindliche Schläfer nicht stören (ja, ich meine dich, Prinzessin auf der Erbse!) und macht sich zudem noch unabhängig von seiner High-Tech-Funktion nützlich. Und das vielleicht Beste habe ich noch gar nicht erwähnt: Man kann Luna auch beheizen und das für beide Seiten unterschiedlich. Noch besser: Luna soll mit der Zeit lernen, wann man schlafen geht und welche Temperatur man bevorzugt. Das Bett ist dann also schon passend vorbereitet.

Damit nicht genug: Sensoren für die Raumtemperatur, die Atmung der und den Puls der Schlafenden sowie für das Umgebungslicht und die Luftfeuchtigkeit sind ebenfalls enthalten. Wie schon zu erwarten: Auch hier gibt es eine Smartphone-App, die die Daten sammelt und visualisiert. Weitere gute Idee: Luna soll mit anderen „Smart Home“-Geräten interagieren können. So könnte es beispielsweise dem Raumthermostat Nest oder dem Türschloss Lockitron signalisieren, dass man zu Bett gegangen ist. Und am Morgen springt die Kaffeemaschine an, sobald man aufgestanden ist.

Noch ist Luna nicht auf dem Markt. Im August 2015 wollen die Macher liefern können.

Fazit

Von allen hier vorgestellten Gadgets finde ich persönlich die kleine Kugel Sense sowie den schlauen Matratzenschoner Luna am interessantesten. Denn sie messen nicht nur die Schlafaktivitäten sondern machen sich auch mit weiteren Messwerten und Funktionen nützlich. Zudem können sie sich nahtlos in die Wohnung und den Alltag einfügen. Wer sowieso bereits ein Fitness-Armband nutzt, ist damit vielleicht schon gut bedient. Obwohl so manches Gadget hier weitere Daten liefert, zum Beispiel über störende Geräusche oder die Luftqualität.

Auf der einen Seite scheint es natürlich ein wenig traurig, dass wir uns soweit von unserem natürlichen Schlafgefühl entfernt haben, dass wir die Hilfe solcher Gadgets brauchen. Andererseits  sind sie eine gute Lösung, um Schlafproblemen auf die Spur zu kommen, unseren Körper besser zu verstehen und nach und nach zurück zu einem erholsamen Nachtschlaf zu finden.

Am Ende braucht man sie dann vielleicht gar nicht mehr.



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