Multimedia

20.07.2011

Selbst getestet: Neues HbbTV im Realitäts-Check

von Ralph

“Was um alles in der Welt ist HbbTV?” mögen sich viele angesichts der etwas gewöhnungsbedürftigen weiteren Abkürzung in den weiten Welten der TV-Empfangs­technik denken. Auch ich habe vor ca. 12 Monaten, als die ersten ernstzunehmenden Ankündigungen seitens der Hersteller von TVs und Empfangsgeräten gekommen sind, so gedacht. Sich also schlau machen war angesagt: “HbbTV” bedeutet “Hybrid Broadcast Broadband TV”.
Okay, klingt spannend, nur was bedeutet das in der Realität? Aha, also die endgültige Vermengung von TV- und Internet-Angeboten, eine Art Teletext-Ersatz. Hmmm, und wie sieht das wirklich aus? Funktioniert das auch bei mir in Österreich, oder sind wir wieder einmal ein paar Jahre hinten? Bringt das auch was? Fragen über Fragen, weshalb ich das Ganze einfach mal ausprobiert habe…

HbbTV, die kleine TV-Revolution

HbbTV wird häufig auch als "Smart TV" bezeichnet.

Zuallererst einmal die Grundvoraussetzungen abchecken:
Breitband-Internetzugang und digitaler Empfang (in meinem Fall digitaler Kabel-Empfang) sind vorhanden. Fernseher ist ebenfalls vorhanden, nur “kann” der kein HbbTV. Also muss eine Kabel-Digi-Box her, die diesen Standard beherrscht. Die Wahl fällt auf einen neuen Technisat DVB-C-Receiver (“Technisat ISIO C”).
Passt, ich kann also loslegen.

Dann schließe ich die neue Box überall an:
TV (via HDMI natürlich), Antennen-Dose, Netzwerk (via LAN-Kabel, weil der ISIO C für WLAN einen eigenen Dongle benötigt). Das Gerät einschalten und die Auto-Installation abwarten. Während Programme gesucht und automatisch angeordnet werden, Softwareupdates gesammelt und eingespielt werden und auch noch die Funktion “SFI” (eine Art Programmguide von Technisat) auf den neuesten Stand gebracht wird, beschäftige ich mich mit der Kurzanleitung. Ganz im Gegensatz zu meinem “normalen” Verhalten bei Installation eines neuen Gerätes vertraue ich dieses Mal lieber den gedruckten Worten als meiner angeborenen Neugierde. Ich will ja schließlich nix falsch machen (was mir aber – wie man weiter unten lesen kann – dann doch noch widerfährt).

Ca. 30 Minuten nachdem alles angehängt und eingeschalten wurde, ist der Receiver voll einsatzbereit und brennt darauf durchgetestet zu werden. Wie bei einem neuen Auto beginne ich mal mit einigen einfachen Aufwärmübungen: sich durchschalten durch alle Programme, ein wenig die automatische Sortierung ansehen, auf mein Heimnetzwerk zugreifen und austesten, ob auch wirklich alle Inhalte gefunden werden. Schließlich habe ich den Netzwerkzugang nicht selbst konfiguriert, sondern das hat sich das Gerät selbst zusammengesucht.

Das Interesse an derlei Tests ist bei meiner neben mir sitzenden Frau so gut wie nicht vorhanden und bis auf ein leicht desinteressiertes “Aha” ist nicht viel zu hören (unsere Tochter haben wir angesichts der unpackbaren Spannung, die mich bei der ganzen Geschichte begleitete, lieber gleich ins Bett gelegt). Gut, dieses offensichtliche Desinteresse ist also der Startschuss – es muss was passieren. Nochmals kurz in die Bedienungsanleitung geschaut, sich vergewissert, dass wirklich alles richtig eingestellt ist, und los gehts.

Und dann?
Nichts.
Nada.
Gar nix!
Da ist nix, da tut sich nix.
Genau gaaaar nix.

Keine vielgelobte Fusion von Internet-Inhalten und TV-Programm. Wo liegt also der Fehler? Herumgesuche ob die Netzwerkeinstellungen stimmen, ob auch wirklich jedes Kabel dort hängt wo es hängen sollte. Ist die Software auf dem neuesten Stand? Nix, alles passt.
Warum dann kein Zugriff?

Jetzt beginnt sich angesichts meines drohenden Scheiterns wieder meine Frau für die ganze Sache zu interessieren (war ja zu erwarten). Herumgesuche, bis dann ein “Hast Du mal darauf geachtet, ob der eingestellte TV-Sender das komische Hbb…oder wie das heißt unterstützt?” meine Ohren erreicht. Kurzer Blick auf den TV – ich sehe oben rechts das Logo des ORF. Schamesröte.
Okay, unser österr. Staatsfernsehen unterstützt diese neue Technologie noch nicht. Switch auf ZDF. Und hier: ja, es geht. Sofort und ohne Widerstand baut sich ein Fenster auf, zeigt mir all die HbbTV-Angebote des zweiten deutschen Fernsehens. Triumphierendes Gesicht meiner besseren Hälfte, immer noch Schamesröte in meinem Gesicht.

Gut mit Inhalten befüllt: ZDF-Mediathek

Was in den letzten Tagen im ZDF-Programm lief, lässt sich problemlos über HbbTV laden und im Nachhinein ansehen.

Was finde ich vor: eine Mediathek mit allen Sendungen die das Copyright des ZDFs haben und in den letzten 7 Tagen ausgestahlt wurden. Eine weitere Mediathek mit Highlights aus allen Sendungen, auf die der ZDF die Rechte hat. Zusatzinfos, weiterführende Informationen zu bestimmten Themen und Sendungen. Für einen Informationsgetriebenen wie mich ein Schlaraffenland. Sofort wird natürlich die Highlight-Mediathek angetestet (ich habe die letzten 5 Folgen der grandiosen Satiresendungen “Heute Show” verpasst), und schon flimmert nach wenigen Sekunden Gernot Hassknecht mit einem seiner legendären Kommentare zum Zeitgeschehen am TV. Perfekt.
Qualität sehr gut, Geschwindigkeit auch okay (die Wartezeit bis sich Bild & Ton aufgebaut haben ist mit jener eines YouTube-Videos in 720p vergleichbar).

Natürlich muss ich noch andere Sender zwecks HbbTV antesten. Egal ob öffentlich rechtliche Sender oder deutsche Privatsender wie Pro7, Sat1 oder RTL – überall der selbe Eindruck: Geschwindigkeit und Auswahl der Sendungen echt okay. Viele Infos, schöner als jeder Teletext.
Wobei der Qualitätsunterschied sofort rüberkommt: die “Öffentlich-Rechtlichen” in Deutschland verfügen über ein riesiges Angebot in ihrer Mediathek (ARD, ZDF und Co. dürfen nämlich von Gesetzes wegen nicht einfach Sendungen und Serien zukaufen und sind so auf Eigenproduktionen angewiesen, was sich hier nun bezahlt macht), während die Privaten hier etwas hinterherhinken (quantitativ und vor allem qualitativ). Am Besten aber kommt das Ganze auf ARTE rüber, wo sich hunderte von Sendungen ohne Probleme und mit echt guter Bild- und Tonqualität aufrufen lassen.

Smart-Receiver CX10

Arte zeigte hunderte von Sendungen ohne Probleme, ein gutes Vorbild für die Konkurrenz!

Schade ist dabei nur eines: unser allseits geliebter ORF hat HbbTV nicht im Portfolio. Angeblich wird zwar an einer Einbindung der ORF-Mediathek in das System gearbeitet, nur wie, wann und wo ist immer noch nicht klar. Warten wir also mal ab, vielleicht erleben wir es ja noch (der Seitenhieb musste sein).

Fazit:
Wer über einen digitalen Zugang zu TV (also Sat oder Kabel) und eine vernünftige Internetverbindung verfügt und zudem Interesse an den öffentlich-rechtlichen deutschen Sendern und deren Programminhalte hat, für den ist HbbTV wie geschaffen. Anstatt wie bisher sich doch teilweise sehr mühsam auf den Websites von ZDF, ARD, ARTE und Co die verpassten Sendungen rauszusuchen und am PC anzusehen, kann man jetzt am Fernseher in aller Ruhe in guter Qualität einfach und leicht die verpassten Programme nachsehen.

Auch sonst ist der Info-Umfang recht ansehnlich, die Bedienung einfach und intuitiv. Schön wird es aber erst, wenn wirklich alle relevanten Sender auf den Zug aufspringen – also auch ORF und Co. Ich drücke mal die Daumen dass das schnell kommen wird. Bis dahin vertreibe ich mir die Zeit indem ich mir Hassknechts Kommentare täglich immer wieder mal reinziehe…

Was für Erfahrungen habt Ihr mit HbbTV gemacht? Konntet Ihr es schon ausführlich testen? Wenn nein, könnt Ihr Euch auf unserer Beratungssite mit den passenden Produkten vor einem Self-Test eingehend informieren…

Das könnte Dich auch interessieren:

  1. Making of: “Galileo”-Team dreht Fake-Check in der Conrad Filiale Salzburg
  2. CO2 für das Aquarium billigst selbst gemacht
  3. Technik-Trends zum Anhören: Die Revolution des Fernsehens
  4. HbbTV – Wenn der Fernseher ins Internet geht
  5. Eye-Fi-SDHC-Karte versendet Fotos und Videos – von selbst

Schlagwörter: DVB-C-Receiver, Fernsehsender, HbbTV, Selbsttest

11 Antworten zu “Selbst getestet: Neues HbbTV im Realitäts-Check”
  1. avatar john sagt:

    Auf http://www.hbbig.com findet man alle HBBtv-Seiten, die es gibt!

  2. avatar Franz becker sagt:

    also vielleicht hattest du einfach die falsche box (receiver, settop-box)
    also ich bin seit monaten richtiger fan von HBBTV
    nutze dazu den receiver von videoweb (videoweb.de)
    allein was yavido.tv langsam aber sicher im bereich hbbtv aufbaut ist mehr als fun …
    hbbtv hat echt zukunft !!

  3. avatar Ralph sagt:

    Hallo Franz!
    Die Box funktioniert pippifein – an der liegt es nicht. Bei uns in Österreich funktionieren bei HbbTV leider nur die Sender aus Deutschland. Das heißt unser öffentlich rechtlicher ORF und die privaten ATV und Puls4 bieten noch kein HbbTV an. Auch die deutschen Privaten wie Pro7, RTL oder Sat1 funktionieren bei uns nur dann, wenn es sich um die “deutsche” Variante handelt, und nicht um die Österreich-Version mit Werbefenster.
    Was die verschiedenen Videoportale anbelangt, so funktionieren diese auch erst mit der Zeit bei uns (hängt mit Lizenzen und Urheberechten zusammen). Aber es wird alles gut, denn es funktioniert von Woche zu Woche bei uns immer mehr. Und ja, Du hast absolut Recht: HbbTV hat echt Zukunft! :lol:

  4. avatar Hodyshoran sagt:

    Hallo, ich habe einen neuen Fernseher der HbbTV hat und würde das nun gerne testen, muss ich einfach ZDF oder ARD (DVB-C) einschalten und dann testen?

    • avatar Ralph sagt:

      Hallo Hodyshoran!
      Du musst zum einen den TV mit dem Internet verbinden, zum anderen beim Empfang darauf achten, dass dieser digital erfolgt. Bei HbbTV wird nämlich über den Sender ein Steuersignal ausgestrahlt (das geht nur digital), welches beim Aufrufen der HbbTV-Inhalte dem TV oder Receiver befiehlt, sich die Inhalte via Internet zu besorgen. Hoffe das klärt alles – solltest Du noch weitere Fragen haben, dann schreib einfach wieder…

  5. avatar Hodyshoran sagt:

    Danke das habe ich beides schon gemacht, ich meinte mehr Sender – scheint als sollte es wohl bei den öffentlich rechtlichen gehen…

  6. avatar Hodyshoran sagt:

    Also SAT1 geht z.B. nicht, da soll es Content für “The Voice of Germany” geben

  7. avatar Jürgen sagt:

    Funktioniert HbbTV in folgender Kombination:
    Kabel-TV analog
    DSL-Anschluss
    WLAN
    Aldi hat in dieser Woche einen Fernseher mit HbbTV im Angebot, der mich reizen würde. Muss ich dazu Digitalfernsehen empfangen?
    Oder helfen da die integrierten HD DVB-T/-C und HD DVB-S2 Tuner irgendwie weiter?
    Letzte Frage: Ist mit HbbTV auch zeitversetztes Fernsehen möglich (also den Tatort um 21:00 anstellen)?

    • avatar Ralph sagt:

      Hallo!
      Sorry für die viel zu späte Antwort von mir – hab das komplett übersehen.
      Zeitversetztes Sehen ist möglich – bei allen Sendungen und bei jedem Content, auf den der Sender das Copyright hat. Normalerweise solltest Du ca. 1 Stunde nach Ausstrahlung der Sendung diese auch via Mediathek des jeweiligen Senders über HbbTv abrufen können…

  8. avatar Hodyshoran sagt:

    Ja sollte bei ARD und ZDF trotzdem gehen…

Hinterlasse eine Antwort

Bitte beachte unsere Blog-Regeln.