Smart Home Sets: Im Handumdrehen zum schlauen Zuhause

„Smarte“ Funktionen sollen das Leben komfortabler machen, zugleich aber auch beim Energie sparen helfen. (Bild: Tado)

„Smarte“ Funktionen sollen das Leben komfortabler machen, zugleich aber auch beim Energie sparen helfen. (Bild: Tado)

Wer sein Zuhause zum Smart Home aufrüsten will, muss dafür nicht zwingend etliche Kabel verlegen oder ein Informatikstudium abschließen. Für diesen Zweck gibt es immer mehr Sets. Wir stellen drei vor.

Der Begriff „Smart Home“ steht für so viele verschiedene Dinge, das man schnell den Überblick verlieren kann. Schließlich reicht er von Glühbirnen, die man per App fernbedient, bis hin zu einem automatisierten Haushalt, bei dem das Fenster der Heizung Bescheid sagt, dass es gerade geöffnet wurde. Um solche Funktionen zu ermöglichen, braucht es im Wesentlichen zwei Elemente: Zum einen bekommen bereits heute vorhandene Dinge wie Steckdosen, Wasseranschlüsse oder auch Lampen ein wenig Elektronik verpasst, damit man sie aus der Ferne überwachen und schalten kann. Zum anderen kommen etliche Sensoren hinzu, die beispielsweise an Türen und Fenstern platziert werden oder die Temperatur und Luftqualität messen, Bewegungen feststellen und einiges mehr. Eventuell hat man dann außerdem eine Steuereinheit im Zentrum des Ganzen, bei der man als Nutzer Einstellungen vornehmen kann oder die manche Aktionen auch automatisch auslöst.

Dabei wissen Hersteller solcher Systeme fürs schlaue Zuhause auch, dass es heutzutage oftmals ums Nachrüsten geht und noch nicht so sehr um die Erstausstattung für brandneue Wohnungen und Häuser. Zudem will sich nicht jeder Kunde gleich einen Fachmann leisten, der die komplette Ausrüstung übernimmt – wobei der natürlich noch ganz andere Möglichkeiten hat, auf die Wünsche und die Gegebenheiten zu reagieren.

So oder so: Es gibt somit eine Zielgruppe für Einsteigersets, die sich ohne großen Aufwand und mit wenig Fachwissen installieren lassen. Hier einmal drei Beispiele für verschiedene Ansätze:

Belkin WeMo

Belkin hat sein „WeMo“-System inzwischen auch um Sensoren erweitert. (Bild: Belkin)

Belkin hat sein „WeMo“-System inzwischen auch um Sensoren erweitert. (Bild: Belkin)

Hersteller Belkin war schon vor Jahren in diesen Bereich eingestiegen und hat inzwischen sein Angebot stark erweitert. So hat das Unternehmen zuletzt beispielsweise mehrere Sensoren vorgestellt, die mit seinem „WeMo“-System zusammenarbeiten. Sie behalten Türen und Fenster im Auge, stellen Bewegung fest oder können an einem Schlüsselbund befestigt werden. Sowieso bereits im Programm sind Elemente wie ein Steckdosenaufsatz, ein Lichtschalter oder auch LED-Leuchtmittel. In Kombination lassen sich damit schon Automatisierungen realisieren. Eine zentrale Einheit verbindet sich dabei mit dem heimischen WLAN, die anderen Bestandteile des Smart Homes funken mit der spezialisierten „Zigbee“-Technik.

Conrad FS20

Bei Conrad selbst ist unter dem Namen „FS20“ ein System zu finden, das sich sowohl für Einsteiger eignet als auch bis hin zu einer Profilösung erweiterbar ist. Schaltbare Steckdosen und Thermostate gehören ebenso zum Angebot wie Bausteine für eine automatische Steuerung von Beleuchtung und Rollläden.

HomeMatic

Wie der Name schon verrät, liegt bei HomeMatic ein Schwerpunkt auf der Automatisation von Vorgängen. Dabei sprechen die einzelnen Bausteine teils über eine zentrale Steuereinheit miteinander, können aber auch direkt kommunizieren. Ein spezielles Funkprotokoll macht das möglich. Dank App für iOS kann man das System auch via Apple-Gerät überwachen und bedienen. In dem System findet sich so ziemlich alles, was das Herz begehrt, bis hin zu Türschlössern, die sich einfach per Knopfdruck bedienen lassen.

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Philips setzt auf „schlaue“ Leuchten. (Bild: Philips)

Philips setzt auf „schlaue“ Leuchten. (Bild: Philips)

Diese drei Beispiele sind natürlich nur ein kleiner Ausschnitt. Es gibt viele weitere Angebote mit unterschiedlichen Leistungen und Schwerpunkten, wie man allein an dieser Vergleichstabelle hier bei Conrad sieht. Einige Beispiele:

  • HomeEasy ist vor allem dazu gedacht, Dinge wie Steckdosen fernzubedienen. Auch einfache Automatisierungen z.B. über Bewegungsmelder sind möglich oder eine „Anwesenheitssimulation“ im Urlaub.
  • Plugwise wiederum hat sich ganz dem Stromsparen verschrieben: Man sieht hier, wo die Energie verbraucht wird, kann automatische Pläne fürs Ein- und Ausschalten erstellen und dabei auch mehrere Steckdosen gruppieren.
  • Unter dem Namen Qivicon haben sich mehrere Hersteller zusammengetan, die verschiedenste Geräte zu diesem System beisteuern. Treibende Kraft hinter den Kulissen ist dabei die Deutsche Telekom. Im Zentrum steht die Steuereinheit „Qivicon Home Base“.
  • In eine ähnliche Richtung wie Qivicon geht das deutsche Startup Homee: Anstatt aber mit den Herstellern zu verhandeln, sorgen die Macher hier mit ihren Bausteinen sowie der App dafür, dass Geräte verschiedener Marken unter einem Dach vereint werden können.
  • Die Marke Gigaset ist für drahtlose Festnetztelefone bekannt, will aber mit einer stromsparenden Version der DECT-Funktechnik auch in den Bereich Smart Home vordringen. Ihr „Elements“-System erweitern sie dabei nach und nach um Komponenten. Zunächst hat man sich hier auf das Thema Sicherheit konzentriert.
  • Das deutsche Startup Tado wiederum dreht sich alles um die Heizungssteuerung. Dem Thermostat kann man beispielsweise beibringen, dass er darauf reagiert, ob jemand zu Hause ist. Solche und andere Features sollen nicht nur das Leben einfacher machen, sondern vor allem beim Energie sparen helfen.
  • Philips Hue hingegen dreht sich ganz ums Thema Beleuchtung. Die Leuchtmittel und Lampen kann man dabei nicht nur via App fernbedienen, sondern zugleich für eine individuelle Lichtstimmung sorgen.

Und diese Liste ließe sich sehr leicht noch lange fortsetzen. Wie man sieht: Es gibt enorm viel Auswahl.

Vor dem Kauf zu bedenken

Bevor man sich für eines der Systeme entscheiden kann, braucht man insofern erst einmal eine klare Vorstellung davon, was man umsetzen möchte. Geht es um spezielle Funktionen wie die Steuerung von Heizung oder Beleuchtung? Möchte man mehr Sicherheit? Soll es darum gehen, Geräte fernbedienen zu können oder soll das Smart Home gar selbstständig reagieren?

Das schlaue Zuhause ist dabei noch immer ein junger Markt mit einem typischen Nachteil: Es rangeln verschiedene Anbieter und Standards miteinander – zum Leidwesen der Kunden. Einerseits ist die Konkurrenz gut, weil man viel Auswahl hat. Paradoxerweise kann das aber zugleich die Auswahl einschränken, wenn die System nicht miteinander kommunizieren können. Da ist es lobenswert, wenn die Telekom versucht, mehrere Hersteller unter einem Dach zu vereinen. Fast noch besser der Ansatz von Homee, eine Art Dolmetscher-Plattform anzubieten, die zwischen allen Beteiligten vermittelt und sich auch in Zukunft erweitern lässt. Oder man entscheidet sich für ein System, das heute schon alle gewünschten Bestandteile und Features anbietet.

Fazit

Ein Smart Home kann dabei helfen Energie zu sparen, man kann dadurch ein Plus an Komfort und Sicherheit gewinnen oder es ermöglicht einem hilfsbedürftigen Menschen, in den eigenen vier Wänden wohnen zu bleiben. In Zukunft werden sicherlich viele Wohnungen und Häuser von Beginn an mit solchen Zusatzfunktionen ausgestattet. Allen anderen bleibt die Nachrüstung, die im eigenen Zuhause per Kabel erfolgen kann oder ansonsten auch bequem und flexibel per Funk.

Ich bin mir sehr sicher: Ein Zuhause ohne „smarte“ Funktionen wird uns in Zukunft so vorkommen wie heute ein Festnetztelefon mit Wählscheibe. Natürlich konnte man damit damals auch telefonieren. Aber ein Smartphone kann heute eben so viel mehr, worauf wir nicht mehr verzichten wollen.

Ebenso wird es uns mit dem Smart Home gehen.



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