Neue Regeln für Modellflieger: Hobby-Piloten sind verärgert

Der Modellflug in Deutschland steht vor dem Aus.

Steht der Modellflug in Deutschland vor dem Aus? (Screenshot: „Drohnen-Verbot? Wo?“ von youtube.com/Dawid Gajdosz)

Immer mehr Drohnen durchfliegen den Luftraum. Fürs Verkehrsministerium Anlass genug, neue Regeln anzudrohen, die Modellflieger um ihr Hobby fürchten lassen.

Bisherige Regeln für Drohnen-Piloten

Schon jetzt ist es gar nicht so einfach, sich an das komplexe Regelwerk fürs Fliegen mit Drohnen zu halten: Versicherungspflicht, nicht bundeseinheitliche Regelungen, Flugverbotszonen sind einzuhalten und nur auf Sichtweite darf geflogen werden. Bevor man als Hobbypilot mit der Drohne startet, muss das umfangreiche Regelwerk studiert werden, das wir dir bereits im Artikel „Wo darf meine Drohne fliegen?“ inklusive Checkliste übersichtlich zusammengefasst haben.

Nun drohen den beliebten Drohnen und weiteren Modellfliegern weitere Einschränkungen: die Initiative Pro Modellflug erklärt in einer Pressemitteilung aus April 2016, dass Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) an einer Novellierung der Luftverkehrsordnung arbeitet. „Der Modellflug in Deutschland steht vor dem Aus“, heißt es dort. Der Präsident des Deutschen Modellflieger Verbands (DMFV), Hans Schwägerl, stimmt mit ein: „Wenn die Pläne von Minister Dorbindt umgesetzt werden, ist der in ganz Deutschland traditionell fest verankerte Modellflug in seiner Existenz bedroht.“

Novellierung der LuftVO: das droht Hobby-Piloten

Noch stehen nicht alle Regelungsinhalte fest, geplant sind jedoch die folgenden Regelungen: Zunächst soll der Betrieb von Modellfliegern verboten werden, die nicht in Sichtweite des Steuerers sind. Dies entspricht der aktuellen Gesetzeslage: der Steuerer soll seine Drohne immer in Sicht behalten, empfohlen wird eine maximale Höhe von 100 Metern. Bleiben soll auch ein Flugverbot über Justizvollzugsanstalten, Industrieanlagen, militärische Anlagen, Unglücksorte, Menschenansammlungen, Einsatzorte von Sicherheitsbehörden, Katastrophengebiete, sämtliche Anlagen zur Energieerzeugung sowie -verteilung und über Bundesfernstraßen sowie Eisenbahnlinien.

Novellierung der LuftVO: das droht Hobby-Piloten.

Novellierung der LuftVO: das droht Hobby-Piloten. (Bild: „MFC Weikersdorf – 39“ von mt.photographie, Lizenz: CC BY 2.0)

Neu wäre die Kennzeichnungspflicht von Flugmodellen ab einem halben Kilogramm Abfluggewicht. Die aktuelle Regelung nimmt Modelle in die Pflicht, die mit einem Abfluggewicht von mehr als 5 kg starten. Eine solche Kennzeichnungspflicht ist durchaus sinnvoll: so lässt sich der Halter des Flugmodells identifizieren, womit sicherlich die Sicherheit gestärkt werden kann.

Jetzt wird es irre: werden Modellflieger verboten?

Soweit kann man noch mitgehen: die Drohne in Sicht zu behalten, ist genauso sinnvoll wie ein Flugverbot über die genannten Bereiche und eine Kennzeichnungspflicht.

Jetzt aber wird es irre: das Betreiben von Flugmodellen, die mehr als 0,5 kg Abfluggewicht auf die Waage bringen, und Flugmodelle mit Kameras in Wohngebieten sollen grundsätzlich verboten werden. Dass die Persönlichkeitsrechte des sich in Unterhose sonnenden Nachbarn nicht durch eine mit Kamera ausgerüstete Drohne unterwandert werden sollen, versteht sich von selbst – und natürlich macht es auch künftig Sinn, Privatsphäre und Persönlichkeitsrechte zu wahren.

Flugmodelle mit Kamera in Wohngebieten aber generell zu verbieten, würde dem Aus fürs Modellfliegen nahekommen: per Definition ist eine Ansammlung ab drei Wohnhäusern ein Wohngebiet. Wir leben in einem so dicht besiedelten Land, dass du quasi nirgends mehr fliegen könntest. Die bisherigen Regelungen geben eigentlich einen ausreichenden Rahmen: auf fremdem Grund benötigst du zum Starten und Landen die Erlaubnis des Grundstückeigentümers, in geschlossenen Ortschaften informierst du vorab die zuständige Polizeidienststelle bzw. Ordnungsbehörde und der Start in Naturschutzgebieten erfordert eine Information der Naturschutzbehörde.

Flugmodelle mit Kameras in Wohngebieten sollen grundsätzlich verboten werden.

Flugmodelle mit Kameras in Wohngebieten sollen grundsätzlich verboten werden. (Bild: Hexakopter von Karl-Heinz Harter, Lizenz: CC BY-SA 2.0)

„Fliegen in Sichtweite“ soll konkretisiert werden

Wie bereits erwähnt, dürfen Drohnen und Quadrocopter derzeit nur in Sichtweite fliegen. Dobrindt möchte das für alle Modellflieger konkretisieren und die aktuelle Empfehlung von maximal 100 Metern Höhe durch eine Auflage ersetzen. Alle Beteiligten, also Flugsicherung, das Luftfahrt-Bundesamt, das BMVI und weitere führende Luftfahrtverbände, empfinden lediglich Drohnen als problematisch, im klassischen Modellflug sehen sie keinerlei Probleme. Der allerdings würde „massiv in seiner Existenz bedroht“ sein, wenn das Gesetz käme, dass sämtliche Modellflieger nur noch 100 Meter aufsteigen dürfen, findet die Initiative Pro Modellflug. Diese Höhenbeschränkung soll auch auf Modellflugplätzen gelten.

 Dobrindt möchte das für alle Modellflieger konkretisieren und die aktuelle Empfehlung von maximal 100 Metern Höhe durch eine Auflage ersetzen.

Dobrindt möchte das für alle Modellflieger konkretisieren und die aktuelle Empfehlung von maximal 100 Metern Höhe durch eine Auflage ersetzen.

Es sollen Ausnahmegenehmigungen geschaffen werden, um die Flughöhenbegrenzung von 100 m für Modellflieger aufzuweichen. Die Praktikabilität bleibt jedoch zu bezweifeln: man stelle sich vor, die rund 200.000 Modellflugsportler, die wir hierzulande zählen, würden Genehmigungen stellen. Der personelle und finanzielle Aufwand ist gar nicht auszurechnen.

Pro Modellflug: „Hände weg von meinem Hobby“

Die Initiative fasst im folgenden Film die Auswirkungen zusammen, die die geplanten Regelungen bringen würden:

Die Auswirkungen der Neuregelungen wären also gigantisch: letztlich wäre der Modellflug Geschichte. Um das zu verhindern, hat die Initiative eine Petition gestartet. Derzeit sind gute 82 Prozent der benötigten Stimmen erreicht. Gib dem Modellflug auch deine Stimme, damit wir auch in Zukunft unserem Hobby nachgehen können! Möchtest du außerhalb des Webs aktiv werden, hat die Initiative Werbemittel bereitgestellt, mit denen du auf die Problematik hinweisen kannst. Außerdem kannst du deinen Bundesabgeordneten eine E-Mail schreiben, um Stellung zu beziehen.

Was denkst du: welche der geplanten Neuregelungen erscheinen dir sinnvoll, auf welche kannst du gut und gerne verzichten? Bist du begeisterter Modellflieger und hast Angst um dein Hobby? Oder bist du der Meinung, dass sich solche Gesetze ohnehin nicht durchsetzen werden, weil zu viel Widerstand zurückkommt? Wäre es sinnvoller, Drohnen von anderen Modellfliegern zu trennen und die Auflagen nur für Drohnen neu zu gestalten?


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