Technik-Trends zum Anhören: De-Mail statt Behördengängen

von detektor.fm

Werden Briefe in Zukunft am Computer verfasst?

Die rechtsverbindliche De-Mail könnte uns umfangreiche Briefe ersparen.

Seit der IFA bietet die Telekom die De-Mail an, eine rechtsverbindliche Version der E-Mail. Der Online-Dienst soll Bürgern die Geschäftsabwicklung, zum Beispiel mit Behörden, vereinfachen.

Bisher konnten nur Unternehmen diesen Dienst nutzen, jetzt allerdings sollen auch Privatkunden De-Emails versenden können. Neben der Telekom will auch die United Internet AG (Marken GMX und WEB.DE) voraussichtlich bis Ende des Jahres in das De-Mailing einsteigen.
Wie der Online-Dienst funktioniert und ob er sicher ist, klären wir in unserer heutigen Ausgabe der “Technik-Trends zum Anhören”!

Axel Kossel vom CT-Magazin erklärt Vor- und Nachteile und sagt uns, wie der Dienst genau funktioniert.

Podcast: DE-Mail statt Behördengängen

Das Interview zum Mitlesen

Erspart mir die De-Mail künftig lästige Behördengänge?
Kossel: Nun das hängt in erster Linie davon ab, ob die Behörden auch in der Lage sind, dieses Werkzeug zu integrieren. Sie müssen entsprechende Angebote machen. Es ist nicht so, dass ich per Definition, wenn ich mir ein De-Mail-Konto zulege, in Zukunft alles darüber abwickeln kann. Die andere Seite muss da auch mitmachen. Das ist eben der heikle Punkt. Da muss man erstmal sehen, welche Behörden welche Vorgänge sozusagen in Zukunft über De-Mail abwickeln.

Wie funktioniert denn diese De-Mail genau? Funktioniert die wie eine E-Mail, wie muss ich mir das vorstellen?
Also grundsätzlich funktioniert das recht ähnlich zur E-Mail. Es gibt allerdings kein E-Mail-Programm dafür, sondern es ist im Browser, so wie man Webmail heutzutage, beispielsweise bei GMX oder WEB.de nutzt, so kann man dann auch die De-Mail nutzen. Man kann da sich einloggen und sein Postfach abfragen. Und es gibt auch eine Integration des neuen Personalausweises. Das heißt, wenn man den und ein Kartenlesegerät hat, kann man sich damit anmelden und ist dann noch eine Stufe sicherer, als wenn man mit einem normalen Passwort arbeitet.

Axel Kossel

Unser Interviewpartner Axel Kossel schreibt beim CT-Magazin und kennt sich mit Online-Diensten wie De-Mail aus.


Wie geht das, dass man sich mit dem elektronischen Personalausweis da registriert?

Also für den neuen Personalausweis benötigt man ein Kartenlesegerät, das zugelassen ist. Und eben eine spezielle Software, die vom BSI geliefert wird, die Ausweis-App. Und dann klickt man nur noch in der Web-Anwendung an, hier „Ich möchte den neuen Personalausweis nutzen“. Und dann wird quasi der zur Identifizierung genutzt, da muss man dann am Kartenlesegerät noch mal eine PIN eingeben und ist dann so sicher angemeldet, wie es eigentlich nur geht.

Was kostet so ein Lesegerät?
Ja gut, die jetzt nicht ganz so sicheren Lesegeräte sind recht günstig, für 20 Euro. Ein wirklich gutes Lesegerät kostet 50 bis 100 Euro.

Dazu würden Sie schon raten?

Dazu würde ich raten. Das kommt natürlich darauf an, was ich mit dem Personalausweis sonst noch machen will. De-Mail ist da nur eine von vielen Anwendungen. Naja, von leider noch nicht so vielen Anwendungen, aber von hoffentlich mal sehr vielen Anwendungen.

Kostet denn die De-Mail an sich auch was, so wie der Brief ja heute auch Geld kostet?
Ja, die De-Mail ist jetzt natürlich schon technisch auch aufwändiger, als die normale E-Mail. Ist für die Firmen auch ein Geschäftsmodell, muss man auch ganz klar dazu sagen; und steht eben im Wettbewerb zu einem Brief, zu einem Einschreiben oder zumindest zu einem Fax. Und dementsprechend kostet sie halt auch was. Also man muss sich jetzt von dieser Vorstellung trennen, E-Mail ist immer umsonst. De-Mail wird immer Geld kosten.

Wieviel, kann man das schon sagen?
Ja, es gibt Anbieter, die eine Grundversorgung kostenlos herstellen wollen, das heißt ich kann drei oder fünf De-Mails im Monat kostenlos nutzen. Von da an kostet eine De-Mail aber ungefähr 40 Cent pro Sendung. Wenn ich dann noch besondere Optionen haben möchte, mit Einlieferungsbeleg, mit Absendebeleg, also so wie ein Einschreiben, das kostet dann nochmal extra, so 12 Cent, so, dass man durchaus schnell auf 50 Cent kommt, wenn man auf sicherem Wege beispielsweise mit einer Behörde kommunizieren will.

Das ist ja dann fast so teuer wie ein Brief.
Das ist dann fast so teuer wie ein Brief, ja.

Bin ich eigentlich dann auch gezwungen zukünftig mein De-Mail-Postfach ständig zu leeren und zu checken, ob da eine Behörde mir vielleicht geschrieben hat, beispielsweise wegen Falsch-Parken?
Auch hier ist die De-Mail mit dem normalen Briefkasten zu vergleichen, nicht mit der normalen E-Mail. Wenn ich die De-Mail-Adresse bedeutet das erst einmal noch keine Verpflichtung, wenn ich sie dann aber gegenüber einer Behörde als Kommunikationsmöglichkeit angegeben habe, bin ich von dem Moment an verpflichtet mindestens einmal in der Wochen reinzugucken.

Weil es da eben diese juristische Regelung der fiktiven Zustellung gibt, das heißt, da ist etwas in meinem Postfach angekommen und damit habe ich es automatisch auch gelesen, also das wird vorausgesetzt und um da eben nicht irgendetwas zu versäumen, was mich hinterher Geld kostet, muss ich da auch wirklich reingucken und muss lesen, was da angekommen ist.

Wer bietet denn bisher De-Mail überhaupt an in Deutschland?

Momentan bietet die Telekom jetzt seit der IFA für Endkunden De-Mail an. Die Firma Mentala Claim Soft hat es zunächst im Frühjahr erst für Firmen angeboten, bietet es jetzt auch für Endkunden an. Und die Firma United Internet, die kennt vielleicht nicht jeder, aber wenn ich sage GMX und Web.de, das sind eben die bekannten Email-Anbieter – die will eben bis Ende des Jahres De-Mail implementieren.

Dann gibt es schon seit längerem ein System von der Post, den E-Postbrief, der ja auch sehr stark beworben wurde. Der ist technisch sehr ähnlich zur De-Mail. Die Post strebt nach eigenen Angaben an, bis Ende des Jahres eine DE-Mail-Zertifizierung zu bekommen und würde dann auch zu diesem System gehören.

Das heißt, bis jetzt ist die Post nicht dabei?
Bis jetzt ist die Post nicht dabei. Dieses System ist zwar gut vergleichbar, auch da kosten die Mails Geld und werden über spezielle Server abgewickelt, aber das System ist offiziell nicht als De-Mail bezeichnet.

Die Verschlüsselung ist an sich sehr gut, allerdings findet sie nicht wie im Normalfall vom Absender bis zum Empfänger statt.

Bequeme DE-Mail sicherer als der förmliche Brief?

Es gibt ja durchaus auch schon Kritik an diesem System, an der De-Mail. Sie sei nicht wirklich sicher, die Verschlüsselung sei nicht gut. Ist die Kritik noch immer gerechtfertigt?
Die Verschlüsselung ist an sich sehr gut, allerdings findet sie nicht Ende-zu-Ende statt, also nicht wie im Normalfall vom Absender bis zum Empfänger. Sondern standardmäßig wird unterwegs im „virtuellen Briefzentrum“ die E-Mail ausgepackt und auf Viren untersucht. Das wird sehr stark kritisiert, übrigens auch von der Anwenderseite her von Behörden.

Sie sagen, dass in diesem Fall theoretisch der Brief verändert wird und besser wäre es, wenn er wirklich auf der ganzen Strecke verschlüsselt wäre. Das geht im De-Mail-System, muss aber gesondert ausgelöst werden. Damit ist das System schon wieder nicht mehr so bequem anzuwenden, das heißt, wenn in bestimmten Fällen eine Verschlüsselung Ende-zu-Ende nötig ist, in anderen Fällen nicht, muss dann der Benutzer immer überlegen, was er machen muss. Das ist sicherlich keine optimale Lösung.

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Schlagwörter: Brief, DE-Mail, E-Mail, Personalausweis, rechtsverbindlich, Technik-Trends zum Anhören

Eine Antwort zu “Technik-Trends zum Anhören: De-Mail statt Behördengängen”
  1. Irgendwie find ich die Rechtslage bei De-Mail immer noch sehr undurchsichtig.
    Zuerst muss der jeweilige Bürger gegenüber einer Behörde ja zuerst eine Zugangseröffnung mitteilen, bevor diese demjenigen förmlich De-Mails zustellen darf/kann.
    Meldet sich nun aber der betreffende Bürger nicht “sicher” an seinem De-Mailkonto an versendet der Dienstanbieter keine “Abholbestätigung” und ein Behördlicher Bescheid gilt somit noch nicht als förmlich zugestellt, und nur in dem Fall, dass eine Behörde keine Möglichkeit hat diesen Bescheid auch in papiergebundener Form zuzustellen gelten solche Bescheide nach einer Frist (glaube 3 Tage) als zugestellt.
    Nun könnte sich aber hier ja der Empfänger von elektronischer Post durch das nicht sicher abholen seiner Mails einen geringen Vorteil gegenüber denen verschaffen, welche von den Behörden per Post angeschrieben werden, da die förmliche Zustellung bei einem Briefkasten als Abgeschlossen gilt.

    Grüßle Funny08

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