Technik-Trends zum Anhören: Der große Hype um Action-Cams

von detektor.fm

Wasser und Stöße sind bekanntlich Gift für Camcorder und Smartphone – aber einmalige Erlebnisse wie einen Bungee-Sprung oder einen Fallschirmsprung filmen möchte man in den meisten Fällen ja trotzdem. Nichts ausmachen tun sportliche Aktivitäten sogenannten “Action-Cams”, die momentan einen wahren Hype erleben. Widerstandsfähig und zäh sollen sie spektakulärere Actionaufnahmen festhalten, zumindest verspricht das die Werbung. Ob die Geräte das auch halten, klären wir in unserem “Technik-Trends zum Anhören”-Interview.

GoPro Action-Cam

Action-Cam von Kult-Hersteller GoPro

Action-Cams sind universell geeignet und sind z. B. für das Skaten, Inlineskating, Parkour, Paragliding, Surfen, Snowboarding, Klettern und viele weiteren spannende Sportarten ausgerichtet.

Zudem sollen die robusten Kameras durch eine brillante Bildqualität bestechen.

Joachim Sauer, Chefredakteur des Videoportals “videoaktiv.de”, erklärt uns, woher der Trend kommt und was Action-Cams können.

Podcast: Der große Hype um Action-Cams

Das Interview zum Mitlesen

Herr Sauer, damit wir alle auf einem Stand sind. Können Sie uns erstmal erklären, was eine Action-Cam ist beziehungsweise, was die von anderen Camcordern überhaupt unterscheidet?
Sauer: Die erste Unterscheidung ist die kompakte Bauform, das heißt also, sie sind wirklich ganz, ganz klein. Sie lassen sich dann mit relativ einfachen Methoden und meist mit mitgeliefertem Zubehör an eben dem Surfbrett, dem Lenker oder am Helm befestigen. Und sie haben in der Regel entweder ein ganz robustes Gehäuse oder aber ein Extragehäuse, in das die Kamera reingelegt, beziehungsweise reingepackt wird, das teilweise sogar bis zu 60 Meter wasserdicht ist.

Joachim Sauer, Chefredakteur von "Videoaktiv.de"

Unser Interviewpartner Joachim Sauer

Als wir Sie angerufen und gefragt haben, ob Sie uns ein Interview über die Action-Cams geben , da haben Sie sinngemäß gesagt “Um Gottes Willen, jetzt kommen Sie auch noch damit an!” Ist das Ganze denn so ein Hype?
Das Ganze ist ein ganz extremer Hype, der ausgelöst wurde von einem Hersteller, der aus den USA kommt. Das ist Go Pro mit der Hero, Hero HD, oder Hero HD 2 inzwischen sogar schon, das ist das dritte Modell, das sie schon bringen.

Die haben eigentlich eine ganz clevere Idee gehabt, die haben einfach gesagt: “Kein Problem, wir machen eine kleine Kamera, die ist wasserdicht, haben auch ein Gehäuse dazu und wir vertreiben das nicht über den klassischen Elektronikhandel, sondern wir gehen quasi über den Sporthandel.” Und über den Weg ist diese Kamera zu einer Art Gadget geworden, also Mitnahme, wenn ich denn Sport mache.

Bungeesprung

Um seinen Bungeesprung zu filmen sind Action-Cams praktisch

Das war ja zumindest nicht ganz dumm. Glauben Sie, dass der Hype zurecht besteht oder ist das demnächst wieder weg?
Also die Wahrscheinlichkeit, dass das bald weg ist, ist relativ gering in dem Fall. Im Gegensatz zu den ganz billigen Cams mit HD-Qualität, wo man sagen kann, “okay, die sind bald passé, weil das Smartphone das kann” ist es hier anders:

Der Camcorder hat hier nun wirklich einen Mehrwert in Form von “Ich bin robust”, “Ich bin wasserdicht” und “Ich habe dann jetzt inzwischen auch optimiert eine Bildberuhigung mit drin”, sodass wirklich der Bedarf dafür bei Sportlern ja wirklich existiert.
Und solang die irgendwie Videos machen wollen und solang YouTube existiert und die Leute sich ganz gern dort profilieren wollen, ist also der Bedarf da.

Jetzt haben Sie in der Redaktion sich ja auch zehn solcher Geräte angeschaut. Wie groß sind denn die Qualitätsunterschiede und worauf sollte man achten, wenn man so ein Ding kaufen will?
Also die Qualitätsunterschiede sind riesig, weil ganz viele von den Kameras, die hier vermarktet werden, stammen halt von irgendwelchen, muss man inzwischen sagen, No-Name-Herstellern aus China. “AIE”, wer kennt das? Eigentlich so gut wie niemand, wird aber dann vermarktet unter unter Markenproduktnamen wie Rollei zum Beispiel. Das heißt nicht zwingend, dass diese Kameras schlecht sind, aber es heißt halt einfach, es gibt eine sehr große Streuung.

Das heißt, es gibt sehr gute, zum Beispiel die “Go Pro HD Hero” ist gar nicht schlecht, es gibt auch andere in dieser Preisklassie, die gar nicht schlecht sind.
Und was man nicht vergessen darf: Inzwischen kommen die klassischen Camcorder-Hersteller auf den Trichter und Sony als auch JVC liefern jetzt ebenfalls Action-Cams.

Jetzt sind die Dinger ja auch ziemlich klein. Man kann die ja am Helm oder zum Beispiel am Lenker befestigen – hält das auch wirklich?
Also die Befestigungen, die da mitgeliefert werden, sind sehr robust und, kann so man sagen, ja, das hält!

Wie genau schraub ich das denn, sagen wir mal, auf mein Surfbrett?
Also beim Surfbrett gibt es einfach eine Halterung, die einmal um’s Rick herumgreift oder oben an den Masten geschraubt werden kann. Und auf der anderen Seite ist eben da das klassische Stativgewinde und da kann man das festmachen. Solange man normal surft, ist das alles wunderbar. Wenn es mich einmal so richtig reinbretzelt, könnte es schon sein, dass die Kamera nicht mehr da ist…

Bergsteigen

Beim Bergsteigen sind Action-Cams optimal

Na gut, es geht ja auch immer noch um Action! (lacht)
Die Dinger haben ja auch keinen Sucher, kein Zoom, keine Fernbedienung, keine Lampen. Wie merke ich als Bediener denn, dass ich eine gute Aufnahme mache? Wie steuer ich die?

Also ein Display haben sie in der Regel inzwischen fast alle hinten drauf. Das ist natürlich relativ klein, das reicht dazu, um den Ausschnitt festzulegen. Aber bedingt an dem “Action-Charakter” ist natürlich auch, dass da ganz vieles Zufallsprodukte sind. Eine echte Bildkontrolle geht eher nicht. Ich hab eine kleine Kontrollleuchte, dass die Aufnahme jetzt läuft. Das seh ich ja bei allen, aber bei manchen, die nicht mal ein Display haben, da soll einfach ein Laser zum Beispiel helfen beim Ausrichten der horizontalen Ebene, das war’s. Da weiß ich, wo die Kamera hinschaut, aber mehr auch nicht.

Und dadurch, dass alle eine Fixoptik haben, das ist eine der Gemeinsamkeiten bei allen Kameras, gibts auch nicht viel zum Einstellen außer der Blickrichtung.

Frage zum Schluss: wenn ich dabei sein will, was kosten gute Action-Cams so im Schnitt?
Das fängt bei 200 Euro an, und geht bis 350, 400 Euro hoch.

Action-Cams vertragen Schlamm, Wasser, Stöße und filmen die Abenteuer, die man “outdoor” so erlebt. Was die Geräte können, das hat uns Joachim Sauer erklärt, denn er ist Chefredakteur des Videoportals “Videoaktiv”. Herr Sauer, vielen Dank dafür!
Ich bedank mich ebenfalls.

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Schlagwörter: Action filmen, Action-Cams, GoPro, Hype

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