Technik-Trends zum Anhören: Warum dürfen uns Google & Co. beim Surfen zusehen?

von detektor.fm

Tracking beim Surfen

Momentan herrscht in der Politik die Debatte wie es sein kann, dass ein neues Gesetz der Bundesregierung es Einwohnermeldeämtern künftig erleichtert, mit Adressdaten der gemeldeten Bürger Kasse zu machen und diese zu Werbezwecken an Unternehmen weiterzugeben. Ohne, dass man dies als Betroffener verhindern kann. Ein Schlag ins Gesicht für alle Datenschützer.

Heute haben aber auch schon Facebook, Twitter, Apple, Microsoft und Google Zugriff auf unsere Daten und “tracken” ihre Nutzer. Sie verfolgen das Surfverhalten im Netz, überwachen, wo wir uns im Netz bewegen. Auch dann, wenn man sich dort schon abgemeldet hat. Das Gesetz erlaubt das, aber dennoch müssen wir das nicht hinnehmen.

Warum die Unternehmen und Großkonzerne davon profitieren und wieso sie “tracken”, dazu spricht Marcus Engert (Redakteur bei “detektor.fm”) in unserem heutigen Podcast, den Ihr wie immer auch nachlesen könnt.

Podcast: Warum dürfen uns Google & Co. beim Surfen zusehen?

Interview zum Mitlesen

Dass Facebook und Co. Daten über uns sammeln, das ist ja nichts Neues. Aber die meisten denken sicherlich, das geschieht nur, wenn man gerade angemeldet ist…?
Engert: Könnte man meinen, oder? So wie wenn ich ins Kaufhaus gehe, und weiß, da sind Überwachungskameras. Da werde ich gefilmt. Und gehe ich wieder raus, ist das aber vorbei. Tatsächlich aber nutzen viele Netz- und Technik-Firmen Methoden, um unsere Bewegung im Internet auch dann zu beobachten, wenn wir gar nicht mehr auf deren Seiten sind.

Und wie machen die das?
Sie tun das, indem sie ein klitzekleines Programm in ihrem Webbrowser ablegen – also in dem Programm, mit dem wir surfen. Nämlich einen sogenannten Cookie. Wenn Sie zum Beispiel eine Seite besucht haben und dann 14 Tage später nochmal online sind, dann merkt sich diese Seite die Einstellungen und alle möglichen Sachen, die wir da gemacht haben. Dann war das so ein Cookie.
Cookies zeichnen also Informationen auf, wie wir uns im Netz bewegen. Das kann praktisch sein – ich muss zum Beispiel nicht jedes Mal wieder Krimi in die Suchmaske tippen, sondern bekomme gleich auf der Startseite Krimis angezeigt.

Marcus Engert

Unser Interviewpartner Marcus Engert

Das leuchtet ein. Aber jemand wie Facebook oder auch Apple oder Microsoft, warum wollen die denn wissen, was ich im Netz so tue?
Die verkaufen Werbung. Soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter leben davon, dass sie dir Werbung einblenden.
Apple und Microsoft sind Anbieter von Browsern, auch die können Werbung einblenden. Diese Werbung ist natürlich noch effektiver, wenn sie sich mit deinen Interessen deckt.

Und Google: Nun, die können ihre Suchergebnisse genauer auf dich abstimmen und in diese Suchergebnisse auch Werbung einmischen – auch hier gilt: je genauer das deinen Bedürfnissen entspricht, desto eher bist du bereit, das zu akzeptieren oder gar darauf zu klicken. Will sagen: desto höhere Preise können die Firmen für diese Werbung verlangen.

Das muss man nicht mögen, aber die Frage ist ja vielmehr, ob sie sich damit im Rahmen des Gesetzes bewegen. Ist das klar?
So richtig klar ist das nicht. Ob man das mag, das muss jeder mit sich ausmachen. Fakt ist natürlich auch, und das gehört zur Wahrheit dazu: Facebook, Twitter, die Suchmaschinen von Google oder Yahoo, die Browser von Apple oder Microsoft – die Sachen sind für alle kostenlos. Wir müssen nichts bezahlen, um die zu nutzen. Und sie funktionieren alle sehr gut. Die Entwicklung hat Geld gekostet und irgendwie muss eine Firma die Menschen ja auch bezahlen, die das für uns entwickelt hat.

Nichts destotrotz, ganz reibungslos ist dieses Thema nicht. Eben weil keiner so genau weiß, was mit diesen Daten geschieht.

Online-Mitleser

Twitter, Apple, Microsoft oder Google haben Zugriff auf unsere Daten und verfolgen unser Surfverhalten im Netz.

Und warum kann da nicht mal der Gesetzgeber für Klarheit sorgen?
Naja, zur Ehrenrettung muss man sagen: Er hats versucht. Die Tatsache, dass diese ganzen Firmen aus den USA kommen, macht das mit den gesetzlichen Vorgaben nicht leichter.

In Europa gibt es für so was eine Richtlinie. Die sollte eigentliche für alle europäischen Länder regeln, welche Maßstäbe für das Tracking gelten. Aber irgendwie ist das alles ein einziges Chaos geworden. Da gibt es einen Gesetzesentwurf, der ist aber viel krasser als das, was die Kommission eigentlich gefordert hat. Und die Staaten haben es nicht wirklich eilig, den in nationales Recht umzusetzen. Das hätte schon vor einem Jahr erledigt sein müssen. Auch in Deutschland ist das nicht passiert.

Und weil das so ist, hat sich jetzt auch eine Initiative gegründet. “Do not Track” heißt die. Sie kommt von der gemeinnützigen Mozilla-Stiftung. Das Ziel: man will einen einheitlichen Standard für das gesamte Web definieren, mit dem dann Nutzer erklären können: Nein, ich will das nicht – mein Surfverhalten soll nicht von irgendwelchen Werbenetzwerken protokolliert werden. Weil bisher eben das unklar ist.

Und bis dahin: muss ich zugucken, wie man mein Surfverhalten beobachtet?
Nein, muss man nicht. Es gibt Plugins, also Erweiterungen. Die kann man installieren. Und die geben dir dann die Möglichkeit, mit ein paar Klicks das selbst komplett auszuschließen. Also gar kein Tracking zuzulassen. Oder nur für manche Dienste. Oder nur manchmal. Oder wie auch immer.

Weiterführende Links für Euch zum Thema:

· Infoblog.li über Disconnect und umfangreichere Alternativen
· taz.de meldet: Auch Twitter will beim Surfen zusehen
· Das Projekt Do Not Track der Mozilla Firefiox-Foundation
· Das Plugin Disconnect lässt den Nutzer das Tracken beenden

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Schlagwörter: Cookie, Gesetz, Surfen, Tracking, Werbung

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