Zurück in die Gegenwart: Der IoT Faktencheck am Beispiel Microsoft

m Jahre 2011 veröffentlichte Microsoft ein Konzeptvideo: der Software-Gigant stellte sich das IoT im Jahre 2019 vor. Welche Visionen sind bereits erfüllt?

m Jahre 2011 veröffentlichte Microsoft ein Konzeptvideo: der Software-Gigant stellte sich das IoT im Jahre 2019 vor. Welche Visionen sind bereits erfüllt? (Screenshot: Microsoft’s Concept of How 2019 Will Look Like – Official Video)

Im Jahre 2011 veröffentlichte Microsoft ein Konzeptvideo: das IoT (Internet der Dinge) im Jahre 2019. Wir ziehen Zwischenbilanz und blicken in die Glaskugel. Welche Visionen sind bereits erfüllt?

Halbzeit. Als Microsoft 2011 dieses Konzeptvideo für 2019 veröffentlichte, wusste niemand, was aus der fast sechs Minuten langen Zukunftsvision werden würde. Jetzt, vier Jahre später, ist es Zeit für eine Zwischenbilanz. Was erwartet dich? Ein Faktencheck mit einem Blick auf die technische Entwicklung des IoT – dem Internet der Dinge. Plus: ein Blinzeln in Richtung Glaskugel.

Was ist das Internet der Dinge (IoT) eigentlich?

Nach wie vor benutzen wir Computer, Tablets oder Smartphones fast selbstverständlich, um ins Netz zu gehen. Unterschiedliche Endgeräte, zahlreiche Apps: Spielspaß, Selbstoptimierung, Businessanwendungen und Lernhilfen. All das umgibt uns und ist ein fester Bestandteil von Gesellschaft, Kultur sowie Wirtschaft und Industrie geworden. Smarte Autos, smarte Häuser, smarte Städte – das ist vielleicht noch keine Realität, aber fleißig in Arbeit. Das IoT ist bereits ein Innovationstreiber.

Mit dem Begriff Internet of Things beschreiben Experten eine vernetzte, digitale Welt, in der verschiedene Objekte, Sensoren und Maschinen miteinander verbunden sind, automatisch Daten austauschen und Aufgaben erledigen. Die Sendungsverfolgung von Paketen ist ein ganz einfaches Beispiel, um diese Vernetzung deutlich zu machen. Das Smartphone mit Sprachsteuerung und Navigationshilfe während eines Stadtspaziergangs ist ein weiteres Beispiel. Die Grenzen zwischen virtueller und realer Welt verschwimmen. Ob Microsoft dabei ein wegweisendes Kreuzfahrtschiff, ein Rettungsboot oder eine Schwimmweste ist, schauen wir uns im Folgenden an.

Zurück in die Zukunft mit Microsoft

In dem Konzeptvideo sehen wir zahlreiche Geräte, Gadgets und Anwendungen, die richtig Lust auf das Internet der Dinge machen. Im Jahr 2019: Objekte werden zu elektronischen Devices – ganz gleich ob Schlüsselbund, Multifunktionskarte, Schreibtisch, Glasscheibe, Zeitung oder Kaffeebecher. Überall stecken Funktionen drin, die die Lebenswelt ein Stück intelligenter machen. Alles ist miteinander vernetzt, kompatibel und intuitiv steuerbar. Im Video ist das Alltag, doch die Realität sieht noch nicht ganz so futuristisch aus. Zwei Bemerkungen zu ausgewählten Szenen:

Der Touchscreen mit Direktverbindung nach Mumbai: Die Kinder lernen mit ihm spielerisch, tauschen sich aus und verwenden das Gerät ganz selbstverständlich. Im Grunde sehen wir einen riesigen Touchscreen, der per interaktivem Videochat zwei Orte auf dem Globus verbindet. Die Umsetzung solcher Geräte dürfte allerdings Unmengen an Budget verschlingen, über das öffentliche pädagogische Einrichtungen selten verfügen.

Das Architekturbüro mit 3D-Hologramm-Computern, die dicke Glasscheiben als grafische Benutzeroberfläche verwenden und sich per Gesten steuern lassen: Von solchen Computer träumen viele Technikfans seit Jahren. Mit der Plattform Windows Holographic will Microsoft den Ankündigungen Taten folgen lassen. Lösungen wie die Hololens wurden bereits Anfang 2015 vorgestellt. Jedoch: Eine Virtual Reality-Brille ist noch kein 3D-Hologramm-Computer und erst recht keine komplette Mixed Reality-Umgebung.

IoT - Sehen so 2019 unsere Klassenzimmer aus?

Sehen so 2019 unsere Klassenzimmer aus? (Screenshot: Microsoft’s Concept of How 2019 Will Look Like – Official Video)

Faktencheck: Was hat Microsoft bisher erreicht?

Zurück zur Realität. Microsofts Strategie für das IoT beinhaltet zunächst mal die Businessanwendung Azure IoT Suite. Die cloudbasierten Anwendungen können IoT-Sensordaten erfassen, analysieren und für andere Aufgaben vorbereiten. Zum Beispiel die Vorhersage des Kaufverhaltens von Onlineshop-Kunden oder die Analyse von Nutzungsdaten von mobilen Apps. Microsoft stellt Azure zusätzlich eine Reihe von Produkten zur Seite, die sich um komplexe Aufgaben wie die Datenverwaltung mit Data Warehouses (Azure SQL Data Warehouse) oder maschinelles Lernen (Azure Machine Learning) kümmern. Die Analysesoftware Cortana Analytics Suite wird ebenfalls eine Rolle spielen, da sie die Datenberge (Big Data) verarbeitet, die durch das IoT entstehen. So können zum Beispiel Wertschöpfungsketten in Unternehmen optimiert werden.

Die Parallelen zum Konzeptvideo sind relativ deutlich: Azure und Cortana Analytics Suite sind beides Frameworks, die sich im Geschäftsleben wohlfühlen und auf Microsoft-Produkten aufbauen. Es geht um die Verbindung von verschiedenen Objekten, die den Arbeitsalltag vereinfachen und ihn effizienter gestalten. Die Kommunikation zwischen Maschinen und Maschinen, kurz: M2M-Communication, soll durch Azure möglich werden. Daten werden in der Cloud gespeichert, mit Big Data-Verfahren verarbeitet und überall verfügbar gemacht. Verschiedene Endgeräte können dann darauf zugreifen. So weit, so gut, die Grundlagen sind gelegt. Doch von Hologramm-Computern und biegbaren Displays ist am Horizont noch nichts zu sehen.

Hologramm richtig

Hologramm-Computer. Wird er Einzug in unsere Büros halten? (Screenshot: Microsoft’s Concept of How 2019 Will Look Like – Official Video)

Wie sieht es mit der Anwenderperspektive aus?

Auf der Anwenderseite fährt das Unternehmen einen Kurs, der auf quelloffene Software setzt: AllJoyn ist ein Kommunikations- und Konnektivitätsnetz, das eine Interoperabilität für das IoT sicherstellen soll. Ja, das hört sich kompliziert an, aber: unterschiedliche Objekte und Systeme sollen auf diese Weise kompatibel zueinander sein. So lassen sich mit AllJoyn auch ältere Geräte nutzen, die ein anderes Protokoll verwenden. Windows 10 soll AllJoyn unterstützen, um Wearables, Sensoren und Smart Home-Geräte miteinander zu verbinden. Konkret bedeutet das: das Smart Home, das zentral von einem Windows 10-Endgerät gesteuert wird, ist nicht mehr weit entfernt.

Gebäudeautomation und smarte Objekte wie TVs oder Fahrzeuge erfordern ein Framework, das die Verbindungen ermöglicht. Die Parallele zum Konzeptvideo ist auch hier ziemlich klar, denn AllJoyn erledigt genau das. Das Framework stellt verschiedene Komponenten zur Verfügung, mit denen Entwickler eine einbahnfreie Kommunikation zwischen Objekten herstellen können. Egal ob zu Hause, im Büro, in der Fabrikhalle oder in Städten – unterschiedliche Devices tauschen Daten aus, erledigen selbstständig Aufgaben und vereinfachen auf diese Weise unsere Lebenswelt. Die Geräte aus dem Konzeptvideo sind dennoch größtenteils Zukunftsmusik, auch wenn die Kommunikationsverfahren mit AllJoyn schon umrissen sind.

Der Blick in die Glaskugel

Eine kleine Zukunftsvisionen der IT-Branche: man nehme Unternehmen mit Know-how und Ressourcen sowie möglichst viele kluge und kreative Köpfe, die sich fragen, wie sie die Gesetze der Elektrotechnik neu ausloten können. Bis hin zur sogenannten technologischen Singularität: Zukunftsforscher bezeichnen damit den Zeitpunkt, an dem Maschinen intelligenter werden als Menschen. Falls du jetzt an Matrix denkst: gemeint ist zunächst nur die Rechenleistung und keine apokalyptische Dominanz der Maschinen.

IoT-Geräte wie Hologramm-Computer und Multifunktionskarten werden in naher Zukunft erhältlich sein.

IoT-Geräte wie Hologramm-Computer und Multifunktionskarten werden in naher Zukunft erhältlich sein. (Quelle: „Internet of Things“ von Wikipedia, Lizenz: CC BY 2.0)

Die Zahl der Transistoren in integrierten Schaltkreisen (Mikrochips) verdoppelt sich etwa alle 18 Monate (Moore’s law). Das Internet als weltweites Kommunikationsnetzwerk wächst mit Millionen von Webanwendungen und Websites stetig. Automation in der Industrie und anderen Infrastrukturen wie Häusern und Städten nimmt langsam, aber sicher zu. An biegbaren Displays, OLED oder Virtueller Realität wird akribisch geforscht. Aber: Rechenleistung alleine nützt wenig, wenn die Kommunikationsstandards sich gerade erst herausbilden. Und hier werden andere Player wie Google oder Apple sicherlich nicht abwarten. Die Schlussfolgerung: IoT-Geräte wie Hologramm-Computer und Multifunktionskarten werden in naher Zukunft erhältlich sein. Fraglich ist jedoch, ob wir im Jahr 2019 schon in den Genuss kommen dürfen – und welche Rolle Microsoft im Wettrennen um IoT-Innovationen spielen wird.

Wichtig erscheint auch, dass die Architektur des IoT sich nicht nur auf den B2B-Bereich konzentriert, sondern dem Endanwender zugute kommt. Denn zentrale Themen wie Datenschutz, Privatsphäre oder Netzneutralität werden von den Big Playern gerne mal eigenwillig interpretiert. Wenn in naher Zukunft Sensoren, Computer und Netzwerke allgegenwärtig sind, wäre es wünschenswert, die vielfältigen Nutzerbedürfnisse in den Entwicklungsprozess des IoT miteinzubeziehen.

Was meint ihr? Was versprecht ihr euch vom Internet der Dinge? Wo seht ihr kritische Aspekte?



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